Früher war alles besser…..!?

 

Unsere Reisen vergleichen? Nein, das tun wir ganz bestimmt nicht, oder vielleicht doch – so ein kleines bisschen?

Vieles hat sich seit unserer ersten Reise von 1994 bis 1999 geändert. Schon alleine die Technik. AIS, Kartenplotter, Multiplexer, IPAD – davon konnten wir damals nur träumen. Wir hatten gerade mal ein Compaq Notebook und ein GPS und das war schon für uns der HIT.

Post wurde immer alle paar Monate heißersehnt bei den jeweiligen Trans Ocean Stützpunkten abgeholt. Und

wenn wir dann mit einem großen Packen Post zurück an Bord gingen, waren wir im siebentem Himmel. Als wir zusammen mit unserem Segelfreund Sven 1999 in Südafrika in einem Internetcafé saßen, kann ich mich noch genau an unser Gespräch mit ihm erinnern. Sven meinte, wir müssten unbedingt einen Email Account

bei Hotmail haben und hat uns einen eingerichtet. Wir: „ Ne, lass mal, brauchen wir doch NIE, wer soll uns denn schon schreiben……..

Heute können wir darüber herzhaft lachen, oder auch manchmal weinen. Durch Internet und Email hat sich vieles gravierend geändert. Leider nicht nur zum Positiven. Klar, wir können total easy Wetterberichte

empfangen, Länderinformationen abrufen oder auch Bestellungen tätigen. Ganz zu schweigen von dem Kontakt zu Familie, Freunden und anderen Seglern.

Die Kehrseite ist: wo sind die Internetcafés, bzw. Seglerkneipen wo man sich früher als Segler mit anderen Seglern getroffen hat. Kurz ne halbe Stunde im Internet gesurft, jede Minute war kostbar und dann bei einem Bier mit anderen Seglern geklönt. Woher, wohin, Tipps, Tricks ausgetauscht. Es kam so manch nette Runde zusammen. 

Oder der Büchertausch. Der findet leider nicht mehr oder selten statt. Fast jeder – auch wir – besitzen ein Ebook. Ist halt genial an Bord, spart enorm an Gewicht und Platz.

Aber – früher war es sooo einfach, kurz mit Bücher unter dem Arm zu einem anderen Schiff zu paddeln und fragen „habt ihr was zum Tauschen?“ und auch dabei haben wir viele nette Bekanntschaften gemacht.

Klar, es gibt heute immer noch Bars, Restaurant und Cafés mit WIFI. Dort sitzen jetzt alle Segler mit Ihren Smartphones, IPADS, Computern, surfen und mailen UND reden nicht mit anderen. Eine Stufe weiter

sind Segler, die eine Prepaidkarte besitzen. Warum also überhaupt in eine Bar gehen, wo sich doch alles so einfach von Bord aus machen lässt.

Leider gehören wir auch immer öfter dazu. Aber wir arbeiten dran, stecken die Technik nach einer Weile weg – und reden wieder miteinander.

Unsere Arbeitsplatte samt Spüle ist schon mal im Cockpit gelandet
Unsere Arbeitsplatte samt Spüle ist schon mal im Cockpit gelandet
..und landet dann mit vielen anderen Teilen nebenan in der Halle
..und landet dann mit vielen anderen Teilen nebenan in der Halle
das ist nur der kleine Wassertank. Noch steht er in der Bilge
das ist nur der kleine Wassertank. Noch steht er in der Bilge
und jetzt dient er als Ersatz für den "Stubentisch"
und jetzt dient er als Ersatz für den "Stubentisch"
ein Zelt entsteht
ein Zelt entsteht
geschafft, es sieht doch wieder etwas besser aus, oder?
geschafft, es sieht doch wieder etwas besser aus, oder?

12.9.18

Räume die ganzen Sachen aus dem WC wieder in die Schränke ein. Da ich vorher die Schränke samt Inhalt fotografiert hatte, brauchte ich nicht lange zu überlegen wo was hingehört. Lege die Polster, die im Vorschiff

lagerten, aufs U-Sofa und ziehe wieder mit meinem Bettzeug ins Vorschiff. Jetzt fehlt nur noch der Tisch und der Teppich. Es ist geschafft. Die ganze Aktion hat etwas über dreieinhalb Wochen gedauert. Endlich sieht das Schiff von innen wieder bewohnbar aus.

 

10.9.18

Die langersehnten Holzpropfen sind endlich von Birte aus Deutschland eingetroffen. Leime sie gleich ins Pantryschott ein. Nebenbei ändere und baue ich unsere Dieselfilteranlage für den Bootsdiesel ein. Sollte eigentlich schon in der Karibik geschehen. Endlich kann ich die Arbeitsplatte einbauen, um sie auch

gleich wieder auszubauen. Dummerweise hatte ich eine Leiste falsch angeschraubt und kam nicht mehr an sie ran. Also alle Schrauben wieder rausgedreht (geht teilweise nicht so einfach, da wenig Platz zwischen Spülen un  Schott ist) und die sperrige Arbeitsplatte wieder raus gehoben. Baue beide Schiebeschränke ein.

6.9.18

Das große Teil des Pantryschotts ist fertig lackiert und wird eingebaut. Fange an, das U-Sofa einzubauen. Endlich kann ich den Fußboden in diesem Bereich einbauen. So brauche ich nicht mehr so aufzupassen, das ich

mal nicht auf die Fußbodenträger trete sondern daneben. Und der Kielbereich ist über einen Meter tief.

31.8.18

Heute ist der große Tag. Der Wassertank kommt wieder in den Kiel. Ich bereite alles vor und wie beim Ausbau muss ich z. B. wieder Kabel abklemmen und rausziehen usw.. Es

lebe Google Übersetzer. Ich schreibe meinen Text auf Deutsch rein und Schwups erscheint der spanische Text. Mit diesem gehe ich zu dem freundlichen Werftmitarbeiter und zeige ihm den Text.

Kein Problem. Er geht los und will einen Wasserschlauch holen (??????). Da er an unserer Tanamera vorbeikommt sieht er unseren Wasserschlauch und zeigt auf jenen und sagt irgendwas auf Spanisch.

Jetzt sitze ich auf dem Schlauch. Ich will kein Wasser!!! Ich brauche nur Hilfe. Scheiß Googel Übersetzer. Jetzt fange ich an, mit Händen und Füßen zu gestikulieren und versuche ihm klarzumachen, dass ich kein Wasser möchte, sondern Hilfe beim Einsetzen des Wassertanks benötige. Ich klettere die Leiter rauf und er bleibt unten ratlos stehen. Auch auf mein freundliches Winken - komm doch bitte an Bord - reagiert er leider

nicht. Und dann verschwindet er auch noch. Was soll ich denn nun machen? Mein netter Bootsnachbar ist leider in Urlaub. Nach einiger Zeit kommt er mit seinem Kollegen im Schlepp zurück. Ich versuche es mit Englisch und er versteht einige Brocken. Dann erneuter spanischer Redeschwall und mein freundlicher

Werftmitarbeiter kommt, nachdem er sich Plastiktüten über die Schuhe gezogen hat, an Bord. Nach 2 Minuten steht der Wassertank wieder im Kiel. Nach einem Dankeschön Bier fange ich an die Kabel und Wasserschläuche wieder zu verlegen und anzuschließen. Abends ist diese Arbeit erledigt.

 

30.8.18

 

Versuche Mahagoni Holzpropfen zu kaufen. Keine Chance. Rufe Birte an und bitte sie, mir

Holzpropfen nach Teneriffa per Post

zu schicken.

 

 

 

 

 

29.8.18

Mein Geburtstag. Nach dem Frühstück male ich den Kiel von innen. Danach zum Bus gehumpelt und nach

Santa Cruz gefahren, um die Busfahrkarte aufzuladen. Warteschlange war wie gewohnt recht lang. Jetzt noch etwas Shoppen bei Carrefour und Lidl. Zurück auf der Tanamera eine Kleinigkeit zum Mittag gegessen. Anschließend Holzteile lackiert und mit einem amerikanischen Ehepaar, deren 17m lange Alu Yacht heute Vormittag in die Werft gekommen ist, geklönt. Da ich leider kein Spanisch spreche, habe ich sonst leider wenig Möglichkeiten, mich zu unterhalten. Abends geht’s mit dem Bus nach San Andres und beim Italiener gibt es meine Geburtstagspizza.

Wieder auf der Tanamera male ich die Kielinnenseiten das 3. Mal. Danach lasse ich den Abend mit einem schönen Bier ausklingen und bin bei Gedanken bei allen die mir zum Geburtstag gratuliert haben.

 

28.8.18

Wieder errichte ich ein Zelt in der Kajüte und entroste anschließend die Kielinnenseiten bis zu einer Höhe von ca.20 cm und male sie, nachdem das Zelt abgebaut ist, mit Epoxy Farbe. Habe seit einigen Tagen starke Schmerzen im rechten Knie. Kommt wohl daher dass ich die Leiter zig mal am Tag rauf und runter steige. Behandle mit Reiki und Voltaren.

27.8.18

Um an die vordere Halterung des Wassertanks zu kommen muss ich heute wieder vieles abbauen. Die Hälfte der dicken Kabel aus dem Sicherungskasten klemme ich ab und ziehe sie raus. Da ein Teil des Kabelstrangs

der von der Schalttafel kommt, über die Halterung läuft baue ich die Kabelkanäle die unter dem Stb. Sofa an der Wand verlaufen aus. So habe ich etwas lose in den Kabeln und das reicht, um an die Halterung zu kommen. Mein spanischer Bootsnachbar hilft mir zum Glück, den schweren Nirotank herauszuheben.

26.8.18

Ich baue das Pantryschott, das über dem hinteren 400 L. Wassertank steht aus. Da die Kühlbox am Pantryschott mit befestigt ist, muss ich mir irgendwas überlegen das sie nicht runterfällt wenn ich das Pantryschott wegnehme. Also mit Zollstock über das Werftgelände schlendern und nach passendem Kantholz Ausschau halten. Diese staple ich unter der Kühlbox hoch. Anschließend lege ich den Wassertank frei. Das bedeutet, Kabel die quer über den Tank laufen abklemmen, Schläuche abbauen usw.

25.8.18

Vorgestern und Gestern habe ich außer der Kielinnenseite noch einige Holzteile gemalt. Heute verschwindet der Wassertank wieder im Kiel. Ich befestige ihn wieder und baue in unmittelbarer Nähe des Tanks die Teile

wieder ein. Nachdem ich früh morgens Holzteile gemalt habe (dann ist es noch nicht so warm und die Farbe verläuft besser) frühstücke ich im Cockpit mit aufgebackenen Baguette und Kaffee. Meistens so um neun herum. Mittags gibt es die zweite Hälfte des Baguettes mit Salami und Käse. Irgendwann nachmittags

Kaffee und Kekse. Und nicht vor 21:00 Uhr (ich schaffe es einfach nicht früher) etwas Warmes zum Abendbrot. Spagetti oder Salat, Kartoffeln mit gedünsteten Gemüse, oder auch mal Obstsalat und vieles mehr.

22.8.18

Ich baue morgens ein Zelt aus Plastikfolie in unsere Tanamera. Unter diesem Zelt entroste ich die Kielinnenseiten. Mir läuft der Schweiß in Strömen. Außentemperatur über 30°

C. Dann heizt sich der Stahl und das

Blei auch noch wunderschön auf. Saunatemperaturen und keine

Frischluftzufuhr, da das Zelt ja hermetisch

geschlossen ist. Es soll ja kein Rostschleifstaub in die Kajüte gelangen. Nach eineinhalb Stunden ist es geschafft. Ich bin Reif für die Dusche. Danach den Kielraum vom Schleifstaub

befreien und endlich kann ich das Zelt wieder abbauen. Die erste Schicht Epoxy Primer male ich noch. Dann mache ich für heute Feierabend. Habe ich mir auch redlich verdient.

 

 

21.8.18

Heute baue ich nur noch einige Kleinteile wie z.B. Seitenteile der Staufächer neben dem Tank aus. Mittags hebe ich endlich den 200 L Wassertank aus dem Kiel. Bis zu einer Höhe von 15 cm ist Rost zu sehen. Mit

dem Hammer haue ich auf die angerostete Kielinnenseite um zu sehen, ob der Stahl durchgerostet ist. Ist er nicht. Großes Aufatmen.

 

20.8.18

Soweit meine Planung. Heute ist schon Tag vier. Ich nehme mir nun vor ohne Planung weiter zuarbeiten.

Das Problem ist, dass ich teilweise drei andere oder mehr Teile ausbauen muss um dieses eine Teil auszubauen. Als Beispiel Vorderfront von der Pantry ausbauen. Die Zierleisten abschrauben. Den Fußboden in diesem Bereich losschrauben. Um das Fußbodenbrett hochheben zu können sämtliche Klappen neben dem Herd losschrauben und die Schubladen rausnehmen. Jetzt müsste ich den Kasten der Motorheizung abbauen. Dafür muss aber erst das Kühlwasser des Motors abgelassen werden. Halt stopp jetzt streike ich. Es muss doch auch irgendwie anders gehen. Also bevor ich die Motorheizung abbaue, baue ich den

Ofen aus. Das sind nur acht Schrauben. Dann den Schornstein und dann ist der Fußboden unter dem Ofen dran. Jetzt nur noch den Boden im Pantryschrank ausbauen. Die Schrauben sind Dank Akkuschrauber schnell draußen. Aber hier taucht das nächste Problem auf. Das Seeventil für die Spülenabläufe befindet

sich knapp über dem Boden. Es gibt nur eins um das Bodenbrett rauszunehmen: das Ventil muss weg! Nachdem auch dies geschehen ist ziehe ich die Vorderfront der Pantry Richtung Ofen und hebel sie mit

sanftem - nur ganz sanftem - Druck unter dem Fußbodenbrett raus. Die Hälfte des U-Sofas baue ich heute aus. Dann noch kurz die Elektrik vom Pantryschott abbauen und die Batterien, die natürlich auch im Weg stehen, versetzen.

19.8.18

Bis mittags ist die Pantry bis auf Herd, Kühlbox und Schott zum U-Sofa ausgebaut. Die sperrigen Teile darf ich in der Halle an die Wand stellen. Natürlich gut in Plastikfolie eingepackt und mit Namen versehen. Nicht auszudenken, wenn jemand sich daran bedient. Für den Nachmittag ist geplant, den Tisch und den Schrank über dem U-Sofa auszubauen. Und dann ist schon wieder Abend und von den Tanks ist immer noch nichts zu sehen. So habe ich mir das aber nicht vorgestellt!

 

 

18.8.18

Heute kommt die Pantry dran. Im WC war ja noch Platz! Also alles aus den Schränken raus in Kartons verstaut und diese dann im WC Raum gestapelt. Zuvor habe ich mir die Sachen und Gewürze rausgesucht die ich zum Kochen brauche. (Gott, hier kriege ich (Birte) jetzt aber wirklich ein schlechtes Gewissen. Schuften und dann noch fleißig kochen?) Warum diese ganze Arbeit fragt ihr? Die Wassertanks können wir nicht einfach so rausheben, da ein Teil der Pantry über dem hinteren Tank und ein Teil des U-Sofas über dem vorderen Tank steht. Nachdem ich die Schränke komplett weggebaut habe kommt die Frage auf: wohin mit den ganzen

Holzkleinteilen? In der Kajüte ist nun wirklich kein Platz mehr. Irgendwo hatten wir noch eine blaue

Plastikplane. Nach längerer Suche finde ich sie und spanne sie über den hinteren Teil des Cockpits auf.

Die Holzteile kommen in einen stabilen Müllsack und der in die hinterste Ecke des Cockpits.

Was sich bei mir bewährt hat sind Frühstückstüten. Ich führe ein Heft mit Nummern von eins bis ???. Hinter jeder Nummer steht welches Teil ich ausgebaut habe. Auf die Frühstücksplastiktüte übertrage ich die Nummer mit Filzstift und lege dann die Schrauben in diese Tüte. So weiß ich später wo welche Schrauben hingehören.

 

17.8.18

Auf dem Deck und im Cockpit liegt eine dicke

Dreckschicht. Damit kann ich so gar nicht leben. Also Wasser marsch. Mittags ist alles sauber und ich nass. Jetzt geht die Arbeit richtig los. Auf meiner To Do Liste stehen an erster Stelle nur

zwei Worte: Wassertanks ausbauen. Darunter vier Worte: Kielinnenseite entrosten und malen. Und darunter noch zwei Seiten was sonst noch zu erledigen ist.

Wassertanks ausbauen so zwei bis drei Tage Zeitaufwand - denke ich. Diesen Zahn habe ich mir ganz schnell gezogen, da ich die Pantry und

das U-Sofa zur Hälfte komplett ausbauen muss. Nachmittags werden erst einmal Koffer, Reisetasche und Rucksack ausgeräumt. Nur wohin damit? Platz ist zurzeit Mangelware. Auf die Vorschiffskojen kommen  schon mal die Polster vom U-Sofa, Segelsäcke und Kleinkram. Die Sachen in den

Schränken über dem U-Sofa kommen in den leergeräumten Schrank im Vorschiff. Birte hatte, bevor wir nach Deutschland flogen, den Schrank ausgeräumt und unsere Kleidung in den Stauraum unter den Vorschiffskojen verstaut. Es lebe das I-Pad. Ich mache fleißig Aufnahmen, so dass ich später weiß wo was hin gehört. Zu guter Letzt räume ich die Stb. Koje aus. Die Sachen kommen auch noch nach vorne auf die Vorschiffskoje. Irgendwo

möchte ich ja auch schlafen. So, das war Tag eins von drei Tagen.

 

 

16.08.18  Santa Cruz, Teneriffa (Wolfgangs Bericht Werftaufenthalt)

 

Am 16.8. fliege ich, Wolfgang, alleine nach Teneriffa zurück um unsere Tanamera auf den Kopf zu stellen. Am Flughafen in Hamburg wird mein Handgepäck komplett auseinandergenommen. Auf dem Scannerbildschirm waren zwei merkwürdig

erscheinende Objekte - vielleicht Bomben? - zusehen. Es waren meine belegten Brote und eine Salami, die Birte

liebevoll in Aluminium eingewickelt hatte.

Auf Teneriffa angekommen machte ich mich mit meinem Gepäck bestehend aus einem Koffer, einer große Reisetasche, ein Rucksack und meine Notebooktasche um den Hals auf den Weg zum Bus. Nur welcher? Überall warteten die Busse der Reiseveranstalter auf die Touristen. Mit meinem Gepäck im Schlepp ging ich die lange Reihe der Busse bis zum letzten ab. Ohne Erfolg. Also wieder zurück und war hier nicht irgendwo ein Touristenbüro? Natürlich genau gegenüber vom Ausgang des Flughafens. Also ich mit meinem Gepäck durch

die enge Tür, Birtes Mahnung im Ohr: „lass ja Dein Gepäck nicht aus den Augen“, und auf den Tresen zugesteu rt. Toll, die nette Angestellte kann Englisch und sie zeigt mir auf dem Plan, wo ich meinen Bus finde. Ich wieder durch die enge Tür und biege diesmal nach links ab. Ich brauche keine 20 Meter gehen da sehe ich ihn schon. Die Tür geht auf und ein schwall auf Spanisch bricht über mich herein. Was will der Busfahrer nur von

mir? Auf alle Fälle lässt er mich nicht rein. Los fährt er auch nicht. Ich stehe ratlos da. Dann gibt er mir irgendwann per Handbewegung zu verstehen, ich solle mein Gepäck in den Frachtraum des Busses verstauen. Aber wie soll ich da mein Gepäck im Auge behalten? Also erste Klappe auf und kein Platz. Bin wohl

nicht der einzige Flugreisende der den Bus nimmt. Bei der zweiten Klappe das gleiche. Das kann ja heiter werden. Hinter der dritten Klappe ist, nachdem ich zwei fremde Koffer übereinander gestapelt habe, für meinen Koffer und der Reisetasche noch Platz. Klappe zu und nachdem ich bezahlt habe geht es auch schon los . In Santa Cruz frage ich mich mit Google Übersetzer zu meinem Anschlussbus durch. Hier darf

ich mit meinem Gepäck im Bus Platz nehmen. Auch nicht ganz so einfach, mein Gepäck zusammenzuhalten. In Darsena Pesquera, wo unsere Tanamera in der Werft steht, angekommen, quäle ich mich aus dem Bus und laufe ca. fünf Minuten bis zur Werft. Die Angestellten erwarten mich schon. Die Leiter am Schiff hat während meiner Abwesenheit Beine bekommen und glänzt durch Abwesenheit. Kein Problem, sie schaffen eben eine Neue an. Die erste Leiter ist zu kurz, aber bis zu unsere Badeleiter am Heck reicht sie doch, gibt man mir auf Spanisch zu verstehen. Ich will aber über die Seite aufs Schiff steigen. Und dafür muss sie länger sein. Beide laufen jetzt über den Platz und gucken hier und da. Und kommen freudestrahlend mit einer ausziehbaren Leiter an, die endlich passt. Mein Gepäck die Leiter hoch und ins Schiff gestellt. Danach gehe ich noch kurz nach St Andres zum Einkaufen.

15.08.18 Deutschland (Birte und Wolfgang)

 Was fällt uns zu unserem Deutschlandaufenthalt als erstes ein? Stress! Alle wollten uns als erstes sehen und nein konnten und wollten wir auch nicht sagen. Die ersten zwei Wochen waren somit sehr schön, aber sie hatten es in sich. Es war toll, Freunde, Familie, Nachbarn und die Heimat wiederzusehen. Der Empfang zu Hause war grandios. Vielen, vielen Dank für all die Hilfe, die wir von Euch erhalten haben. Vier Wochen waren eigentlich geplant gewesen. Dann wollte Wolfgang zurück zum Schiff. Aber wir mussten dann doch noch zwei Wochen dran hängen. Grund: Wolfgang hatte sich irgendwo einen Virus eingefangen und fiel gute zwei

Wochen aus. Vollbepackt ging es für ihn am 16.08. zum Flugplatz. Ich hatte arge bedenken, ob er den ganzen Kram überhaupt ohne Probleme durch die Sicherheitsschleuse bekommen würde. Die Taschen beinhalteten zu 90 % Bootszubehör. Chemikalien, Flüssigkeit, Ersatzteile, die auf dem Röntgenschirm bestimmt komisch aussahen. Wolfgang war da schmerzlos und wie fast immer hatte er Glück.

unser Ankerplatz für die Nacht - Teneriffa
unser Ankerplatz für die Nacht - Teneriffa

Freitag 08.06.18 Teneriffa Darsena Pesquera, nördlich von Santa Cruz

 

Bei mir dauert der Aufenthalt im Reich der Träume nicht sehr lange, mein Schlafrhythmus ist durcheinander. Aber wir wollen heute sowieso früh los, weil wir der Werft als Ankunftszeit 9 Uhr genannt haben.

Dabei habe ich versäumt, die Stunde, die wir die Uhr wieder vorstellen müssen, zu berücksichtigen. Also müssen wir uns nun etwas sputen. Wir wollen wenigstens pünktlich sein, typisch Deutsch eben. Als wir in den Hafen einlaufen kontaktieren wir die Werft per VHF. Wir werden schon erwartet und sollen bis ans Ende

fahren, dort stehen schon Leute bereit. Uih, das hätten wir nun irgendwie nicht erwartet und sind angenehm überrascht. Wo ist hier die Mananamentalität? Am Ende des Hafens fahren wir gleich in den Travellerlift und kurze Zeit später steht das Schiff an Land. Was für ein Superservice. Die Anagada Varaderos ist eine recht kleine Werft. Alle sind sehr nett. Das einzige Manko: wir kommen uns  vor wie in Frankreich, denn auch da haperte es mit der Verständigung. Genauso ist es hier auf Teneriffa. Nur wenige können Englisch sprechen. So müssen wir uns wieder mit Händen, ein paar Brocken Spanisch und Google Translater verständigen.

Uns gefällt, dass der Boden der Werft  betoniert ist. Keine Wasserpfützen und Matsche, die wir an Bord schleppen. Der Weg zu den Waschräumen ist kurz und auch in der Nacht gut beleuchtet. Ok, die Waschräume

sind simpel, aber ganz ok. Den Waschraum für die Frauen benutze ich alleine, weit und breit kein anderes weibliches Wesen in Sicht. Wir sind die Einzigen, die hier an Bord leben. Segelschiffe sind hier eh in der Minderzahl, wir sind eingekeilt von kleineren Motorbooten. In der näheren Umgebung gibt es eine Ferreteria (eine Art Baumarkt), ein Laden für Segelzubehör. Das ist gut für Wolfgang, wenn er hier später alleine werkelt, dann hat er wenigstens gute Beschaffungsmöglichkeiten. Außerdem ist der Busverkehr sehr gut. Alle 10

Minuten fährt ein Bus Richtung Santa Cruz, bzw. Sankt Andrews. Sankt Andres ist allerdings zu Fuß auch gut erreichbar. In nur 15 Minuten sind wir dort, können eine der vielen kleinen Bars oder Restaurants besuchen. Auch einen kleineren Supermarkt gibt es, so sparen wir uns für Kleinigkeiten den Weg nach Santa Cruz.

Wir sind kaum eine Stunde draußen, da klopft es: Lola steht unten und begrüßt uns. Lola und Heinz betreiben den TO Stützpunkt, schon vor drei Jahren hatten wir sehr netten Kontakt zu den Beiden. Ist ja lieb, dass

sie extra vorbeigekommen ist, um uns willkommen zu heißen.

Wolfgang fängt nachmittags schon an, die ersten Arbeiten am Unterwasserschiff auszuführen. Der Bewuchs am Rumpf hielt sich diesmal in Grenzen, wir sind angenehm überrascht. Aber es gibt wieder einige Blasen unter der Farbe, die geöffnet werden müssen und wieder einen neuen Farbaufbau erhalten müssen. Dass wir dieses Problem nicht in den Griff bekommen. Als wir vor ca. 5 Jahren das Unterwasserschiff von der Fa. Wrede haben sandstrahlen und neu streichen lassen, hatten wir eigentlich gedacht, dass wir die nächste Zeit

damit keine Probleme mehr haben würden. Aber Pustekuchen. Schon kurze Zeit später tauchten wieder die ersten Blasen auf.

Außerdem muss im vorderen Bereich des Kiels einiges ausgebessert werden. Da waren wir in Nova Scotia ja auf Felsen aufgebrummt und haben uns die Farbe bis auf den Stahl heruntergeholt. Ich sondiere derweil schon mal die Schränke, miste aus. Warum habe ich in Herrgottsnamen eigentlich so viele Pullover mitgenommen? Da ist doch einiges, was wir mit zurück nach Deutschland nehmen.

Obwohl, Pullover könnten wir hier zur Zeit eigentlich auch noch gut gebrauchen. Die Aussage der Einheimischen á la: das Wetter ist hier in letzter Zeit zu kalt, zu windig, zu regnerisch verfolgt uns. Auch hier auf den Kanaren ist es so. Nämlich kalt. Tagsüber schafft es das Thermometer gerade mal auf 21 Grad, dazu schauert es besonders in den Morgenstunden.

Für einige Zeit ist dies jetzt der letzte Blogeintrag. Werftleben ist nicht ganz so interessant und wir werden hier einige Zeit verbringen. Dazu kommt noch ein Deutschlandaufenthalt

Donnerstag 07.06.18 Teneriffa

Es wurden etwas zähe 9 Tage mit 950 Seemeilen. Die ersten zwei Tage hatten wir Wind, dann schlief er ein und die Maschine wurde aktiviert. Wie gut, dass wir getankt haben, denn die Maschine lief und lief –

bis Teneriffa. Das Hoch bewegte sich netterweise immer mit uns mit und

bescherte uns einen Ententeich. Gleich am Anfang dieses Trips hatten wir Probleme, die Genua auszurollen. Irgendetwas hakte. Da es schon dämmerte, ließen wir sie eingerollt, das Problem war in diesen Lichtverhältnissen nicht auszumachen.

Wir mussten vorerst eben mit der Fock vorlieb nehmen. Ein paar Tage später probierte Wolfgang es erneut. Zum Glück bei absoluter Windstille. Jetzt ließ sich die Genua problemlos ausrollen - und fing im gleichen Moment an, runterzurauschen. Wolfgang konnte gerade noch nach vorne sprinten und verhindern, dass sie uns ins Wasser fiel. Schnell erkannten wir, was passiert war: die Halyard der Profurl Anlage war gebrochen. Ein Teil war mit der Genua am Vorstag runtergefallen, das andere hing noch oben im Mast am Fall. Bei mehr Wind wäre das ein Desaster geworden.

Ein paar Drei Tage vor Ankunft auf Teneriffa kontaktieren wir per Mail die Werft und kündigen uns an. Mal sehen, wie das so klappen wird. Bisher war der Mailkontakt recht zähflüssig gewesen. Wir haben geschrieben – die haben nicht geantwortet, oder fast nicht. Das war etwas mühsam und wir hoffen nur, dass alles andere besser klappt.

Wir kommen natürlich – wie fast immer – mitten in der Nacht an. In den Hafen Darsena Pesquera (zwischen Santa Cruz und St. Andres gelegen) wollen wir bei Nacht nicht einlaufen. Wir sind mit dem Hafen nicht

vertraut und wissen nicht, wo wir anlegen können. Wir entdecken aber auf der Seekarte eine Ankerbucht 6 sm nördlich von Santa Cruz. Sie scheint recht einfach zum Anlaufen sein. Vorsichtig tasten wir uns heran, lassen das Radar mitlaufen. Als das Lot 8 Meter zeigt, schmeißen wir den Anker. Motor aus, Ruhe! Und die Bucht ist sogar sehr gut geschützt, wir spüren kaum Schwell. Es gibt noch ein Mitternachtsbier, dann wir die Vorschiffskoje leergeräumt und ab geht es in das Reich der Träume.

Mittwoch 30.05.18 Horta

Wir haben Hummeln in Hintern, ich geb´s ja zu. Aber irgendwie finden wir nicht in den Sightseeingmodus, wir wollen endlich auf Teneriffa ankommen. Gestern wurde noch Wäsche gewaschen, etwas Gemüse

eingekauft. Heute Morgen klarieren wir wieder aus. Obwohl wir uns in der EU befinden, will die Immigration die Pässe sehen. Bei der Marina bezahlen wir und am frühen Nachmittag bei Hochwasser verlassen wir unsere Box. Es funktioniert sogar, na ja mehr oder weniger. Geplant war es eigentlich vorwärts aus der Marina herauszufahren. Aber leider dreht sich das Heck beim Rausfahren aus der

Box zur falschen Seite. Ist ja immer so, wenn es klappen soll, macht das Schiff, was es will. Also müssen wir jetzt rückwärts die erste Stegreihe entlang fahren. Das funktioniert sogar recht gut und endlich können wir drehen.

Wären dabei fast noch in eine Ankerleine gerutscht, denn ein Katamaran, der am Stegende liegt liegt, hat seitwärts noch einen Anker ausgelegt. Wenn er das wenigstens mit einer Boje markiert hätte, aber so sehen wir es wirklich erst im letzten Moment. Puh, Glück gehabt. Aber andererseits hätten dann vielleicht mal

unseren Leinencutter am Propeller ausprobieren können.

Im Vorhafen drehen wir ein paar Runden, stauen die Leinen weg, setzen die Segel. Auf ein Reff im Groß verzichten wir, laut Wetterbericht haben wir nur um die 4 Windstärken. Dann geht es auf zur erstmal letzten

Etappe. Azoren – Kanaren, Teneriffa. Um die 950 Seemeilen, da wir erst auf Madeira zuhalten, ehe wir weiter gen Süden abbiegen. Grund: Mal wieder ein Hoch, das im Wege ist. Als wir aus dem geschützten Hafen raus motoren bläst der Wind uns gleich voll um die Ohren. Windstärke 6 und dann auch noch von vorne.

Was für ein Schrott. Na klar, wir haben vergessen, dass wir uns hier im Einfluss von Winddüsen, die zwischen den Inseln den Wind um mindestens zwei Windstärken beschleunigen, befinden. Wir schauen uns dies eine Zeitlang an und reffen dann doch das Groß. So, jetzt läuft es doch etwas ruhiger. Leider müssen

wir auch noch die ersten 24 Stunden kreuzen. Das auch noch. Ach so, die leichte Gegenströmung, habe die schon erwähnt? Dabei soll laut Seekarte die Strömung mit uns mit gehen…..

28.05.18 Horta Azoren

Angekommen. Und der „Stress“ beginnt. Die Pier beim Marina Büro ist zurzeit belegt, die ersten Boote der ARC Ralley sind angekommen. Ich hatte das schon geahnt. Gut, ankern wir erst einmal. Wartezeit: 5 Stunden wurde uns gesagt. Mist. Das Dingi wollen wir nicht nur für eine Stunde extra

wieder aufbauen, der Aufwand ist einfach zu groß. Wir warten und dann kommt

plötzlich die Keyef auf den Ankerplatz. Mit Nadir hatten wir die ersten 10 Tage auf SSB Kontakt, bis die Verbindung plötzlich schlechter wurde und wir uns aus den „Ohren“ verloren. Was für eine Überraschung, lernen wir die beiden jetzt doch noch kennen. Ihr Dingi ist an Deck verstaut und sie holen uns kurze Zeit

später ab und zusammen fahren wir zum Einchecken. Eine Geduldsprobe. Drei verschiedene Büros müssen aufgesucht werden, vor jeder Tür steht eine kleine Schlange. Aber zwischenzeitlich können wir so Konversation betreiben und die Zeit vergeht damit recht schnell. Auch Kerstin und Ralf von der Lothorian treffen wir wieder. Danach geht es mit dem Schiff an die Pier zum Tanken. Die Preise sind hier echt gewöhnungsbedürftig, besonders nach den USA. Selbst in der Karibik war es ja günstiger. Dann geht es zu unserem Liegeplatz. Puh, hätte ich die Lage von dem Platz vorher gewusst, ich wäre da, glaube ich, nicht hingefahren. Die letzte Ecke. Normalerweise ja nicht unbedingt ein Problem, aber hinter uns wird es schnell flach und ich frage mich jetzt schon, wie wir hier jemals wieder rauskommen. Donnerstagnachmittag ist Hochwasser, da werden

wir uns wieder auf den Ankerplatz verlegen. Je nach Wetterlage gehen wir vielleicht sogar gleich weiter Richtung Teneriffa. Warum wir uns so beeilen? Na ja, einmal wollen wir ja schnellstmöglich dort ankommen, aber der Hauptgrund ist jetzt eine ausgeprägte Kaltfront, die Anfang nächster Woche auf die Azoren trifft und

Südwind mit bis zu 40 Knoten bringen soll. Das ist hier kein Vergnügen, denn die meisten Häfen sind gen Süden nicht besonders gut gegen aufkommenden Schwell geschützt. Da hauen wir vorher doch lieber ab.

Ausblicke: 6 Tage auf See:

Sonntag 20.04.18

Es ist Sonntagmorgen. Wir sind immer noch auf St. Martin

in der Marigot Bay. Eine sogenannte tropical wave hatte unsere Abfahrtspläne zunichte gemacht. Übrigens hätte sich daraus leicht der erste tropische Sturm entwickeln können. NOAA, der amerikanische Wetterdienst hatte sogar schon einen Namen parat.

Jeden Morgen hören wir Chris Wettervorhersage auf SSB.

Endlich ist ein Wetterfenster in Sicht. Montag wollen wir los, dann geht der Wind und die Welle etwas runter und wir hoffen auf einen ruhigen Start. Außerdem schauen wir uns gleichzeitig die Wetterlage auf windytv.com an. So auch an

diesem Morgen. Das heißt, ich als Frühaufsteherin schaue, während Wolfgang noch selig in seiner Koje schlummert. Ich gebe unsere ungefähren Etmale ein, schaue wo wir ca. wann und wo sind und komme zu dem Ergebnis: wir müssen heute schon starten, ansonsten kommen wir in ein größeres Flautengebiet. Mist. Ich gehe

Wolfgang wecken. Ernte nur ein müdes: „lass uns morgen in Ruhe los“. Erst das magische Wort MOTOREN lässt ihn aufhorchen. Sehr schnell ist er meiner Meinung und dann geht die Arbeit los: Dingi auseinanderbauen und auf dem Kajütdach verzurren, alles an Deck aufräumen und innen alles sicher verstauen.

Dann noch in Ruhe Mittag essen und gegen 12°° geht es los. Kurz vorher hatte Wolfgang noch seinen PC gestartet und wollte ins Airmail Programm (hiermit empfangen wir Emails und Wetterberichte) – und schießt ihn ab. Exitus. So ein Schrott. Zum Glück haben wir noch „meinen“ Laptop als Reserve.

 

Bis zu den Azoren sind es cirka 2500 Meilen. Warum wir von hier nicht den direkten Kurs nehmen und dadurch 400 Meilen sparen? Ganz einfach, das Azorenhoch ist im Wege und wir würden die meiste Zeit in einem

Flautengebiet motoren müssen.

 

So geht es also die ersten Tage gen Norden. Die ersten drei Tage sind unangenehm, milde ausgedrückt. Wir haben immer noch 20 bis 25 Knoten Wind aus Ost, also segeln wir mit halben Wind. Das Groß ist zwei Mal

gerefft, dazu haben wir die Fock gesetzt. Aber es bedeutet auch wieder Schräglage, dazu kommt noch eine höhere Welle aus unterschiedlichen Richtungen. Wer hatte bloß die Schnapsidee, nach Europa zurückzusegeln? Ich würde mich am Liebsten wegbeamen lassen. Seebeine haben wir auch noch nicht. Gut, dass wir

wenigstens am Sonntag noch eine warme Mahlzeit zu uns genommen haben. In diesen drei Tagen leben wir Diät. Außer Bananen, Äpfeln und vielleicht mal ne Scheibe Brot gibt es nichts. Kein Appetit und keine Lust, sich zu lange drinnen aufzuhalten. Das Sitzen im Cockpit und das andauernde Festkeilen, damit wir nicht durch die Gegend fliegen, ist auf Dauer anstrengend. In dieser Zeit liegt meistens einer in der Koje, schon allein deswegen, weil es der einzige Platz ist, wo wir uns etwas entspannen können.

 

Drei Tage später wird es endlich ruhiger. Wir reffen das Groß aus, setzen die Genua. Bei halben Wind läuft es auch bei nur 12 Knoten es gut. Wir laufen so um die 5 bis 6 Knoten. Wir sehen nur selten andere Schiffe.

Ab und zu sehen wir auf dem Kartenplotter ein AIS Signal, aber die Schiffe sind alle nicht in Sichtweite. Allerdings segelt ein türkisches Segelschiff, die SY Keyef, seit St. Martin mit uns mit. Auch ein anderes deutsches Schiff, welches einen Tag früher gestartet war, ist nur ca. 200 Meilen entfernt. Auf SSB halten

wir Kontakt, eine nette Abwechslung. Nach zwei Wochen auf See haben wir jetzt „nur“ noch 800

Meilen nach. Wir kommen nur langsam voran, bahnen uns unseren Weg zwischen Hochdruckgebieten und Troge hindurch. Abwechslung bringen zwei Fronten. Sie bringen jeweils kurzzeitig Wind mit bis

zu 20 Knoten erst von hinten, dann dreht der Wind allerdings auf NE und E und schläft danach ein. Einen Tag später sind die SW Winde wieder da. Nachdem wir die ersten Tage ordentlich geschwitzt haben, fangen wir jetzt nachts langsam an zu frieren. Jetzt wird doch schon mal ein Pullover herausgeholt.

Ab und zu schwimmen große Plastikflaschen an uns vorbei. Wenigstens dachten wir das Anfangs. Beim näheren Betrachten entpuppten sich diese Flaschen jedoch als portugiesische Galeeren. So riesige Dinger haben wir noch nie gesehen. Baden ist hier wirklich nicht empfehlenswert.

 

Drei Wochen sind jetzt schon rum. Wenn ich bedenke, wie mir zu Anfang vor dieser Strecke gegraust hat. 3 Wochen auf See. Morgen ist Landfall angesagt und ich muss sagen, ich würde am liebsten weitersegeln. Auf

See herrscht die pure Losgelöstheit. „Man“ muss sich eigentlich um nichts kümmern. Vielleicht mal ein Segelwechsel. Die einzige „Sorge“ ist das Wetter und die Überlegung, was es zum Mittagessen geben soll. Wir hatten auf dieser Strecke, 2600 Seemeilen in 22 Tagen, wirklich echt Glück. Das Wetter war perfekt. Im Durchschnitt 4 bis 5 Windstärken. Meist raumer bis achterlichen  Wind. Angenehme Welle. Das Bordleben war einfach angenehm und die Zeit verging erstaunlich schnell. Wenn nur alle Langstrecken so verlaufen würden.