unser Ankerplatz für die Nacht - Teneriffa
unser Ankerplatz für die Nacht - Teneriffa

Freitag 08.06.18 Teneriffa Darsena Pesquera, nördlich von Santa Cruz

 

Bei mir dauert der Aufenthalt im Reich der Träume nicht sehr lange, mein Schlafrhythmus ist durcheinander. Aber wir wollen heute sowieso früh los, weil wir der Werft als Ankunftszeit 9 Uhr genannt haben.

Dabei habe ich versäumt, die Stunde, die wir die Uhr wieder vorstellen müssen, zu berücksichtigen. Also müssen wir uns nun etwas sputen. Wir wollen wenigstens pünktlich sein, typisch Deutsch eben. Als wir in den Hafen einlaufen kontaktieren wir die Werft per VHF. Wir werden schon erwartet und sollen bis ans Ende

fahren, dort stehen schon Leute bereit. Uih, das hätten wir nun irgendwie nicht erwartet und sind angenehm überrascht. Wo ist hier die Mananamentalität? Am Ende des Hafens fahren wir gleich in den Travellerlift und kurze Zeit später steht das Schiff an Land. Was für ein Superservice. Die Anagada Varaderos ist eine recht kleine Werft. Alle sind sehr nett. Das einzige Manko: wir kommen uns  vor wie in Frankreich, denn auch da haperte es mit der Verständigung. Genauso ist es hier auf Teneriffa. Nur wenige können Englisch sprechen. So müssen wir uns wieder mit Händen, ein paar Brocken Spanisch und Google Translater verständigen.

Uns gefällt, dass der Boden der Werft  betoniert ist. Keine Wasserpfützen und Matsche, die wir an Bord schleppen. Der Weg zu den Waschräumen ist kurz und auch in der Nacht gut beleuchtet. Ok, die Waschräume

sind simpel, aber ganz ok. Den Waschraum für die Frauen benutze ich alleine, weit und breit kein anderes weibliches Wesen in Sicht. Wir sind die Einzigen, die hier an Bord leben. Segelschiffe sind hier eh in der Minderzahl, wir sind eingekeilt von kleineren Motorbooten. In der näheren Umgebung gibt es eine Ferreteria (eine Art Baumarkt), ein Laden für Segelzubehör. Das ist gut für Wolfgang, wenn er hier später alleine werkelt, dann hat er wenigstens gute Beschaffungsmöglichkeiten. Außerdem ist der Busverkehr sehr gut. Alle 10

Minuten fährt ein Bus Richtung Santa Cruz, bzw. Sankt Andrews. Sankt Andres ist allerdings zu Fuß auch gut erreichbar. In nur 15 Minuten sind wir dort, können eine der vielen kleinen Bars oder Restaurants besuchen. Auch einen kleineren Supermarkt gibt es, so sparen wir uns für Kleinigkeiten den Weg nach Santa Cruz.

Wir sind kaum eine Stunde draußen, da klopft es: Lola steht unten und begrüßt uns. Lola und Heinz betreiben den TO Stützpunkt, schon vor drei Jahren hatten wir sehr netten Kontakt zu den Beiden. Ist ja lieb, dass

sie extra vorbeigekommen ist, um uns willkommen zu heißen.

Wolfgang fängt nachmittags schon an, die ersten Arbeiten am Unterwasserschiff auszuführen. Der Bewuchs am Rumpf hielt sich diesmal in Grenzen, wir sind angenehm überrascht. Aber es gibt wieder einige Blasen unter der Farbe, die geöffnet werden müssen und wieder einen neuen Farbaufbau erhalten müssen. Dass wir dieses Problem nicht in den Griff bekommen. Als wir vor ca. 5 Jahren das Unterwasserschiff von der Fa. Wrede haben sandstrahlen und neu streichen lassen, hatten wir eigentlich gedacht, dass wir die nächste Zeit

damit keine Probleme mehr haben würden. Aber Pustekuchen. Schon kurze Zeit später tauchten wieder die ersten Blasen auf.

Außerdem muss im vorderen Bereich des Kiels einiges ausgebessert werden. Da waren wir in Nova Scotia ja auf Felsen aufgebrummt und haben uns die Farbe bis auf den Stahl heruntergeholt. Ich sondiere derweil schon mal die Schränke, miste aus. Warum habe ich in Herrgottsnamen eigentlich so viele Pullover mitgenommen? Da ist doch einiges, was wir mit zurück nach Deutschland nehmen.

Obwohl, Pullover könnten wir hier zur Zeit eigentlich auch noch gut gebrauchen. Die Aussage der Einheimischen á la: das Wetter ist hier in letzter Zeit zu kalt, zu windig, zu regnerisch verfolgt uns. Auch hier auf den Kanaren ist es so. Nämlich kalt. Tagsüber schafft es das Thermometer gerade mal auf 21 Grad, dazu schauert es besonders in den Morgenstunden.

Für einige Zeit ist dies jetzt der letzte Blogeintrag. Werftleben ist nicht ganz so interessant und wir werden hier einige Zeit verbringen. Dazu kommt noch ein Deutschlandaufenthalt Mit Glück hoffen wir, dass wir im September wieder im Wasser sind.

Donnerstag 07.06.18 Teneriffa

Es wurden etwas zähe 9 Tage mit 950 Seemeilen. Die ersten zwei Tage hatten wir Wind, dann schlief er ein und die Maschine wurde aktiviert. Wie gut, dass wir getankt haben, denn die Maschine lief und lief –

bis Teneriffa. Das Hoch bewegte sich netterweise immer mit uns mit und

bescherte uns einen Ententeich. Gleich am Anfang dieses Trips hatten wir Probleme, die Genua auszurollen. Irgendetwas hakte. Da es schon dämmerte, ließen wir sie eingerollt, das Problem war in diesen Lichtverhältnissen nicht auszumachen.

Wir mussten vorerst eben mit der Fock vorlieb nehmen. Ein paar Tage später probierte Wolfgang es erneut. Zum Glück bei absoluter Windstille. Jetzt ließ sich die Genua problemlos ausrollen - und fing im gleichen Moment an, runterzurauschen. Wolfgang konnte gerade noch nach vorne sprinten und verhindern, dass sie uns ins Wasser fiel. Schnell erkannten wir, was passiert war: die Halyard der Profurl Anlage war gebrochen. Ein Teil war mit der Genua am Vorstag runtergefallen, das andere hing noch oben im Mast am Fall. Bei mehr Wind wäre das ein Desaster geworden.

Ein paar Drei Tage vor Ankunft auf Teneriffa kontaktieren wir per Mail die Werft und kündigen uns an. Mal sehen, wie das so klappen wird. Bisher war der Mailkontakt recht zähflüssig gewesen. Wir haben geschrieben – die haben nicht geantwortet, oder fast nicht. Das war etwas mühsam und wir hoffen nur, dass alles andere besser klappt.

Wir kommen natürlich – wie fast immer – mitten in der Nacht an. In den Hafen Darsena Pesquera (zwischen Santa Cruz und St. Andres gelegen) wollen wir bei Nacht nicht einlaufen. Wir sind mit dem Hafen nicht

vertraut und wissen nicht, wo wir anlegen können. Wir entdecken aber auf der Seekarte eine Ankerbucht 6 sm nördlich von Santa Cruz. Sie scheint recht einfach zum Anlaufen sein. Vorsichtig tasten wir uns heran, lassen das Radar mitlaufen. Als das Lot 8 Meter zeigt, schmeißen wir den Anker. Motor aus, Ruhe! Und die Bucht ist sogar sehr gut geschützt, wir spüren kaum Schwell. Es gibt noch ein Mitternachtsbier, dann wir die Vorschiffskoje leergeräumt und ab geht es in das Reich der Träume.

Mittwoch 30.05.18 Horta

Wir haben Hummeln in Hintern, ich geb´s ja zu. Aber irgendwie finden wir nicht in den Sightseeingmodus, wir wollen endlich auf Teneriffa ankommen. Gestern wurde noch Wäsche gewaschen, etwas Gemüse

eingekauft. Heute Morgen klarieren wir wieder aus. Obwohl wir uns in der EU befinden, will die Immigration die Pässe sehen. Bei der Marina bezahlen wir und am frühen Nachmittag bei Hochwasser verlassen wir unsere Box. Es funktioniert sogar, na ja mehr oder weniger. Geplant war es eigentlich vorwärts aus der Marina herauszufahren. Aber leider dreht sich das Heck beim Rausfahren aus der

Box zur falschen Seite. Ist ja immer so, wenn es klappen soll, macht das Schiff, was es will. Also müssen wir jetzt rückwärts die erste Stegreihe entlang fahren. Das funktioniert sogar recht gut und endlich können wir drehen.

Wären dabei fast noch in eine Ankerleine gerutscht, denn ein Katamaran, der am Stegende liegt liegt, hat seitwärts noch einen Anker ausgelegt. Wenn er das wenigstens mit einer Boje markiert hätte, aber so sehen wir es wirklich erst im letzten Moment. Puh, Glück gehabt. Aber andererseits hätten dann vielleicht mal

unseren Leinencutter am Propeller ausprobieren können.

Im Vorhafen drehen wir ein paar Runden, stauen die Leinen weg, setzen die Segel. Auf ein Reff im Groß verzichten wir, laut Wetterbericht haben wir nur um die 4 Windstärken. Dann geht es auf zur erstmal letzten

Etappe. Azoren – Kanaren, Teneriffa. Um die 950 Seemeilen, da wir erst auf Madeira zuhalten, ehe wir weiter gen Süden abbiegen. Grund: Mal wieder ein Hoch, das im Wege ist. Als wir aus dem geschützten Hafen raus motoren bläst der Wind uns gleich voll um die Ohren. Windstärke 6 und dann auch noch von vorne.

Was für ein Schrott. Na klar, wir haben vergessen, dass wir uns hier im Einfluss von Winddüsen, die zwischen den Inseln den Wind um mindestens zwei Windstärken beschleunigen, befinden. Wir schauen uns dies eine Zeitlang an und reffen dann doch das Groß. So, jetzt läuft es doch etwas ruhiger. Leider müssen

wir auch noch die ersten 24 Stunden kreuzen. Das auch noch. Ach so, die leichte Gegenströmung, habe die schon erwähnt? Dabei soll laut Seekarte die Strömung mit uns mit gehen…..

28.05.18 Horta Azoren

Angekommen. Und der „Stress“ beginnt. Die Pier beim Marina Büro ist zurzeit belegt, die ersten Boote der ARC Ralley sind angekommen. Ich hatte das schon geahnt. Gut, ankern wir erst einmal. Wartezeit: 5 Stunden wurde uns gesagt. Mist. Das Dingi wollen wir nicht nur für eine Stunde extra

wieder aufbauen, der Aufwand ist einfach zu groß. Wir warten und dann kommt

plötzlich die Keyef auf den Ankerplatz. Mit Nadir hatten wir die ersten 10 Tage auf SSB Kontakt, bis die Verbindung plötzlich schlechter wurde und wir uns aus den „Ohren“ verloren. Was für eine Überraschung, lernen wir die beiden jetzt doch noch kennen. Ihr Dingi ist an Deck verstaut und sie holen uns kurze Zeit

später ab und zusammen fahren wir zum Einchecken. Eine Geduldsprobe. Drei verschiedene Büros müssen aufgesucht werden, vor jeder Tür steht eine kleine Schlange. Aber zwischenzeitlich können wir so Konversation betreiben und die Zeit vergeht damit recht schnell. Auch Kerstin und Ralf von der Lothorian treffen wir wieder. Danach geht es mit dem Schiff an die Pier zum Tanken. Die Preise sind hier echt gewöhnungsbedürftig, besonders nach den USA. Selbst in der Karibik war es ja günstiger. Dann geht es zu unserem Liegeplatz. Puh, hätte ich die Lage von dem Platz vorher gewusst, ich wäre da, glaube ich, nicht hingefahren. Die letzte Ecke. Normalerweise ja nicht unbedingt ein Problem, aber hinter uns wird es schnell flach und ich frage mich jetzt schon, wie wir hier jemals wieder rauskommen. Donnerstagnachmittag ist Hochwasser, da werden

wir uns wieder auf den Ankerplatz verlegen. Je nach Wetterlage gehen wir vielleicht sogar gleich weiter Richtung Teneriffa. Warum wir uns so beeilen? Na ja, einmal wollen wir ja schnellstmöglich dort ankommen, aber der Hauptgrund ist jetzt eine ausgeprägte Kaltfront, die Anfang nächster Woche auf die Azoren trifft und

Südwind mit bis zu 40 Knoten bringen soll. Das ist hier kein Vergnügen, denn die meisten Häfen sind gen Süden nicht besonders gut gegen aufkommenden Schwell geschützt. Da hauen wir vorher doch lieber ab.

Ausblicke: 6 Tage auf See:

Sonntag 20.04.18

Es ist Sonntagmorgen. Wir sind immer noch auf St. Martin

in der Marigot Bay. Eine sogenannte tropical wave hatte unsere Abfahrtspläne zunichte gemacht. Übrigens hätte sich daraus leicht der erste tropische Sturm entwickeln können. NOAA, der amerikanische Wetterdienst hatte sogar schon einen Namen parat.

Jeden Morgen hören wir Chris Wettervorhersage auf SSB.

Endlich ist ein Wetterfenster in Sicht. Montag wollen wir los, dann geht der Wind und die Welle etwas runter und wir hoffen auf einen ruhigen Start. Außerdem schauen wir uns gleichzeitig die Wetterlage auf windytv.com an. So auch an

diesem Morgen. Das heißt, ich als Frühaufsteherin schaue, während Wolfgang noch selig in seiner Koje schlummert. Ich gebe unsere ungefähren Etmale ein, schaue wo wir ca. wann und wo sind und komme zu dem Ergebnis: wir müssen heute schon starten, ansonsten kommen wir in ein größeres Flautengebiet. Mist. Ich gehe

Wolfgang wecken. Ernte nur ein müdes: „lass uns morgen in Ruhe los“. Erst das magische Wort MOTOREN lässt ihn aufhorchen. Sehr schnell ist er meiner Meinung und dann geht die Arbeit los: Dingi auseinanderbauen und auf dem Kajütdach verzurren, alles an Deck aufräumen und innen alles sicher verstauen.

Dann noch in Ruhe Mittag essen und gegen 12°° geht es los. Kurz vorher hatte Wolfgang noch seinen PC gestartet und wollte ins Airmail Programm (hiermit empfangen wir Emails und Wetterberichte) – und schießt ihn ab. Exitus. So ein Schrott. Zum Glück haben wir noch „meinen“ Laptop als Reserve.

 

Bis zu den Azoren sind es cirka 2500 Meilen. Warum wir von hier nicht den direkten Kurs nehmen und dadurch 400 Meilen sparen? Ganz einfach, das Azorenhoch ist im Wege und wir würden die meiste Zeit in einem

Flautengebiet motoren müssen.

 

So geht es also die ersten Tage gen Norden. Die ersten drei Tage sind unangenehm, milde ausgedrückt. Wir haben immer noch 20 bis 25 Knoten Wind aus Ost, also segeln wir mit halben Wind. Das Groß ist zwei Mal

gerefft, dazu haben wir die Fock gesetzt. Aber es bedeutet auch wieder Schräglage, dazu kommt noch eine höhere Welle aus unterschiedlichen Richtungen. Wer hatte bloß die Schnapsidee, nach Europa zurückzusegeln? Ich würde mich am Liebsten wegbeamen lassen. Seebeine haben wir auch noch nicht. Gut, dass wir

wenigstens am Sonntag noch eine warme Mahlzeit zu uns genommen haben. In diesen drei Tagen leben wir Diät. Außer Bananen, Äpfeln und vielleicht mal ne Scheibe Brot gibt es nichts. Kein Appetit und keine Lust, sich zu lange drinnen aufzuhalten. Das Sitzen im Cockpit und das andauernde Festkeilen, damit wir nicht durch die Gegend fliegen, ist auf Dauer anstrengend. In dieser Zeit liegt meistens einer in der Koje, schon allein deswegen, weil es der einzige Platz ist, wo wir uns etwas entspannen können.

 

Drei Tage später wird es endlich ruhiger. Wir reffen das Groß aus, setzen die Genua. Bei halben Wind läuft es auch bei nur 12 Knoten es gut. Wir laufen so um die 5 bis 6 Knoten. Wir sehen nur selten andere Schiffe.

Ab und zu sehen wir auf dem Kartenplotter ein AIS Signal, aber die Schiffe sind alle nicht in Sichtweite. Allerdings segelt ein türkisches Segelschiff, die SY Keyef, seit St. Martin mit uns mit. Auch ein anderes deutsches Schiff, welches einen Tag früher gestartet war, ist nur ca. 200 Meilen entfernt. Auf SSB halten

wir Kontakt, eine nette Abwechslung. Nach zwei Wochen auf See haben wir jetzt „nur“ noch 800

Meilen nach. Wir kommen nur langsam voran, bahnen uns unseren Weg zwischen Hochdruckgebieten und Troge hindurch. Abwechslung bringen zwei Fronten. Sie bringen jeweils kurzzeitig Wind mit bis

zu 20 Knoten erst von hinten, dann dreht der Wind allerdings auf NE und E und schläft danach ein. Einen Tag später sind die SW Winde wieder da. Nachdem wir die ersten Tage ordentlich geschwitzt haben, fangen wir jetzt nachts langsam an zu frieren. Jetzt wird doch schon mal ein Pullover herausgeholt.

Ab und zu schwimmen große Plastikflaschen an uns vorbei. Wenigstens dachten wir das Anfangs. Beim näheren Betrachten entpuppten sich diese Flaschen jedoch als portugiesische Galeeren. So riesige Dinger haben wir noch nie gesehen. Baden ist hier wirklich nicht empfehlenswert.

 

Drei Wochen sind jetzt schon rum. Wenn ich bedenke, wie mir zu Anfang vor dieser Strecke gegraust hat. 3 Wochen auf See. Morgen ist Landfall angesagt und ich muss sagen, ich würde am liebsten weitersegeln. Auf

See herrscht die pure Losgelöstheit. „Man“ muss sich eigentlich um nichts kümmern. Vielleicht mal ein Segelwechsel. Die einzige „Sorge“ ist das Wetter und die Überlegung, was es zum Mittagessen geben soll. Wir hatten auf dieser Strecke, 2600 Seemeilen in 22 Tagen, wirklich echt Glück. Das Wetter war perfekt. Im Durchschnitt 4 bis 5 Windstärken. Meist raumer bis achterlichen  Wind. Angenehme Welle. Das Bordleben war einfach angenehm und die Zeit verging erstaunlich schnell. Wenn nur alle Langstrecken so verlaufen würden.