ein großer Fregattvogel und
ein großer Fregattvogel und
ein kleiner Kolibri
ein kleiner Kolibri
Union Island
Union Island

Sonntag

18.02.18 Chatham Bay, Union Island

 

Da der Schwell immer noch da ist, entschließen wir uns nach dem Frühstück Anker auf und nach Union Island in die Chatham Bay zugehen. Der Wetterbericht sagt ab heute Nachmittag bis morgen Abend Wind 5-6 und Böen bis 7 Bft. aus ONO und eine Wellenhöhe bis 2,70 mtr. an. Das heißt durch die Fallböen kommen schnell 8 Bft. und mehr zusammen. Es sind nur knappe 4 Meilen. Die Bucht sieht auf der Seekarte etwas geschützter aus. Wir lassen es einfach darauf ankommen – und sind entzückt. Nicht nur landschaftlich

erheblich ansprechender, ist sie auch ruhiger da kaum Motorboote der Einheimischen über den Ankerplatz rasen und ganz wichtig kein Schwell. Ok, hier und da ein paar Fallböen, man kann ja nun nicht alles haben. Aber endlich können wir durchs Schiff laufen, ohne uns irgendwo festhalten zu müssen. Bis zum Ort Clifton sind es zu Fuß von hier ca. 6 Kilometer. Wir wollen Dienstag in den Ort gehen und dort ausklarieren. Wir könnten auch mit dem Schiff vor Clifton ankern, aber es ist dort meist recht voll und mit Mooring Bojen bestückt. Außerdem sehen wir so gleich etwas von der Insel und unseren Beinen tut es auch mal gut.

Samstag 17.02.18

 

Vormittags machen wir mit dem Dingi am Dingi Dock fest und machen einen Spaziergang.

Wohin? Natürlich zu der vollgestopften Salt Whistle Bay. Von Land aus sieht die Bucht mit den Palmen am weißen Strand hübsch aus und ist immer noch proppevoll.

Ansonsten ist es ein schöner aber anstrengender Spaziergang. Wie kann so eine kleine Insel nur sooo steile Straßen haben?

Auf dem Rückweg kehren wir, im einzigen Dorf der Insel das achtzig Meter über dem Wasser thront, in eine der vielen Bars die rechts und links an der Straße liegen, ein. Wir stehen vor einer und finden diese sieht am urigsten von allen aus.

Robert Bob Nice Bar heißt sie und die Vorderfront besteht aus zusammen gesammelten Standgut. Innen schummrig mit vielen Flaggen, T-shirts, Postern und Sprüchen an den Wänden. Urig halt. Ein anderer Gast ist da und unterhält sich mit einem älteren Einheimischen. Als der geht, wandert der alte Herr zu uns an den Tisch. Reden kann er und seine Stimme hört sich wie ein Reibeisen an. Ich habe ihn auf über 70 geschätzt, nein er ist gerade mal 63. Puh. Ihm hat das Lokal 25 Jahre gehört, jetzt betreibt es sein Sohn.

Freitag

16.02.18 Saline Bay, Mayreau

 

Wir haben diesmal eine gemütliche Überfahrt, nichts im Vergleich zu den vorherigen. Bis zum Schluss ist Wolfgang am Überlegen, ob wir nun in die Tobago Cays reingehen

sollen, oder nicht. Wir entscheiden uns für nicht. Da der Wind die nächsten Tage wieder auf 6 bis 8 Bft. auffrischen soll, wollen wir lieber einen geschützteren Ankerplatz aufsuchen. Wolfgang versteift sich jetzt auf die Salt Whistle Bay (im Nordwesten von Mayreau). Er hatte gelesen, dass es eine der schönsten Bucht in der Karibik sein soll. Gut, nur leider wissen das andere Segler auch und so werfen wir nur kurz einen Blick in die überfüllte Bucht, drehen eine Runde und gehen gleich wieder raus. Ja, schön sieht sie aus, noch

schöner wahrscheinlich ohne die mindestens 20 Boote die sich hier dicht an dicht drängen. Wir gehen weiter in die Saline Bay. Die liegt ein Stückchen weiter im Südwesten der Insel, ist schön groß und es liegen nicht so viele Schiffe hier. Bald weiß ich auch warum: es steht hier ein Schwell aus Nord in die Bucht rein. Ruhig liegen wir hier leider nicht. Echt schade. Aber wir beißen die Zähne zusammen. Im Sitzen merkt man das Schaukeln auch nicht so richtig und in der Pantry ist alles sicher verstaut.

Oft werden wir gefragt „wie definiert ihr Schwell?“. Eine gute Frage, denn jeder empfindet es anders. Ich würde es in drei Kategorien einteilen: Stufe 1: das Schiff rollt leicht von einer Seite zur anderen, die Bewegung ist eher einlullend. Stufe 2: auf glatten Flächen fangen die Sachen an zu rutschen. Stufe 3: alles muss verstaut werden, sonst fliegt es von einer Seite zur anderen. Gehen im Schiff wird mühsam, das Schlafen auch. (Dies hatten wir bisher nur einmal auf Barbados)

10.02.18

 

Es ist Samstag und heute ist Markttag, außerdem soll der Schlachter kommen. Da muss man (wir) natürlich an Land. Der Wind hat wie angekündigt schon zugelegt. Es bläst mit 22 Knoten (Bft. 6), in den Böen bis 35 Knoten (8 Bft). Das Schiff

schwoit (dreht sich) am Anker, teilweise, bei den heftigen Böen sogar mit etwas Schräglage. Die Leine der Zugentlastung, die an der Ankerkette befestigt ist, ächzt und stöhnt unter der Belastung – ich langsam auch. Aber wir fahren jetzt an Land, lass den Wind doch die Tanamera beuteln.

Wir müssen nur erst mal mit dem Dingi trocken an den Dingisteg kommen. Da kommen heute unsere

neuen Regenponchos endlich zum Einsatz. Unser Dingi ist zwar qualitativ kein schlechtes Schlauchboot. Aber gegen kurze steile Wellen von vorn schaufelt es einfach zu viel Wasser über den Bug rüber. Bei solchen Konditionen wie heute sind

Wolfgang und ich nur mit Badezeug an Land getuckert. Ist aber auch irgendwie blöd, da wir uns dann der nassen Badesachen entledigen und unser trockenes Zeug anziehen müssen. Deswegen die Idee mit den Ponchos. Und es funktioniert fantastisch. Sieht witzig aus (wie zwei flatternde Krähen im Wind), die Farbe

ist leider auch noch schwarz, aber was soll‘s. Das Ergebnis zählt schließlich.

Beim Dingidock treffen wir uns mit einigen Seglern und machen uns gemeinsam zum Markt auf. Der Gemüse- und Früchtemarkt befindet sich in einem überdachten Gebäude. Ca. 7 Marktender haben dort ihren Stand. Wir sollen hier etwas probieren und auch dort. Na ja und kaufen sollen wir natürlich auch. Wir verteilen unsere Einkäufe auf verschiedene Stände, damit jeder etwas verdient. Und das tun sie auf jeden Fall. Billig ist was anderes. Für 3 kleine Paprika, 2 Grapefruit und einen Beutel mit Karotten zahlen wir 10 Euro. Die wissen hier

schon, wie man uns das Geld aus den Taschen zieht. Es gibt an den Straßen auch vereinzelte Stände und

dann sehen wir noch die ganz simple Variante: eine Sackkarre mit einer kleinen Obstkiste drauf. Beim nächsten Einkauf werden wir diese Möglichkeiten mal abchecken.

Der Schlachter kommt mit der Fähre aus St. Vincent um neun Uhr. Er hat sich mittlerweile in einer Ecke zwischen ein paar Häusern eingerichtet. Der Schlachter, in einem weißen Kittel und Hut auf dem Kopf, steht hinter einem kleinen Tisch. Auf dem ist gerade Platz genug für eine Waage, eine Kühlbox und ein Brett um die großen Fleischstücke mit der Machete -auf Wunsch- zu zerkleinern. Und das macht er in einem Affenzahn.

Ich sehe schon Finger fliegen, aber seine Treffsicherheit ist enorm. Das Fleisch (Schwein, Rind, Ziege und Huhn) ist alles tiefgefroren und befindet sich in Kühlboxen die hinter ihm aufgereiht sind. Das Geschäft brummt, auch

unsere Freunde kaufen um die 2 kg Fleisch für umgerechnet 18 Euro. Zum Schluss gönnen wir uns in Lauras Cafe‘ zur Stärkung noch eine Tasse Kaffee. Laut Reklame soll es hier den besten Kaffee der Insel geben. Und ja, dieser Kaffee ist nicht von schlechten Eltern. Der Löffel kann schon so in der Tasse stehen, so stark ist

er. Danach geht es vollbepackt zurück zum Boot. Unseren geplanten Landspaziergang verschieben wir auf später.

geselliges Beisammensein und wenn dann das Essen noch schmeckt...
geselliges Beisammensein und wenn dann das Essen noch schmeckt...
Bob im Einsatz
Bob im Einsatz

09.02.18

 

Geplant war, dass Wolfgang und ich heute unsere leere Gasflasche an Land zum Füllen bringen wollten. Dann kommt Bob von SY Baloo vorbei. Er und Wolfgang hatten sich verabredet, unseren defekten Loggeber (Geschwindigkeitsmesser) in den nächsten Tagen auszutauschen. Dazu muss die Innenhülse des Loggeberborddurchlasses der im Rumpf eingeklebt ist ausgewechselt werden (der neue Loggeber passt nicht mehr in die alte Innenhülse). Etwas

unpraktisch, bei einem Lochdurchmesser von 5cm, wenn man sich im Wasser befindet und so schnell einen Springbrunnen kreieren kann. Da kommt jetzt Bobs Einsatz. Er ist Taucher und kann so in aller Ruhe unter Wasser vor das „Loggeberloch“ unsere Saugglocke halten. So ein Teil, wie man es zum Reinigen von Waschbeckenabflüssen benutzt. Es stellt sich mittlerweile heraus, dass es viele weitere Einsatzmöglichkeiten gibt. Wir kriegen nicht einen Tropfen Wasser ins Schiff, während Wolfgang die Hülsen im Schiff schnell austauscht und dann den neuen Loggeber einsteckt. Danke Bob. Danach wird der Geber elektrisch angeschlossen. Endlich werden wir wieder unsere Geschwindigkeit nicht nur auf dem GPS sondern auch auf

dem Loganzeigeinstrument sehen können.

Gegen halb sechs Uhr machen wir uns auf den Weg gen Land. Durch Bob und Anne haben wir einige englische, kanadische und schwedische Segler kennengelernt. Und heute Abend wollen wir uns alle zum Essen

im Restaurant Fig Tree treffen. 12 Segler kommen zusammen und es wird ein informativer und lustiger Abend.

Ankerplatz auf der NW Seite der Bucht
Ankerplatz auf der NW Seite der Bucht

 

08.02.18

 

Ich schlafe aus – bis sieben Uhr. Ich bin trotzdem noch hundemüde, aber während der Nacht hat es ganz gut gekachelt und obwohl unser Anker gut hält, war ich irgendwie unruhig. Zudem

liegen wir relativ dicht vor einem anderen Segler. Als kurze Zeit später unser Vordermann Anker auf geht, wecke ich Wolfgang und wir verlegen uns, solange der Platz noch frei ist. Danach wird in Ruhe gefrühstückt und los geht es zum Einklarieren. In Bequia waren wir 1995 schon einmal. Schon damals gefiel uns diese Insel sehr gut und daran hat sich auch nichts geändert. Es ist einfach schön hier. Viele Bäume und Blumen rechts

und links der Straßen und kleine bunte Restaurants, Bars und Läden ergeben ein nettes buntes Straßenbild. In einer kleinen Bar gönnen wir uns zum Lunch Fish und Chips. Endlich an einem gedeckten Tisch zu sitzen und das Essen nicht auf Plastiktellern sondern auf Porzellantellern serviert zu bekommen und mit richtigen Besteck zu essen ist auch mal wieder schön. Und dazu schmeckt es auch noch gut. Freies Wifi gibt es dazu und so können wir unsere Mails abrufen. Die Baloo-Crew hat uns geschrieben. Bob und Anne liegen hier noch vor Anker. Bei den vielen Booten haben wir sie nicht entdecken können und dachten sie wären schon weiter

gesegelt. Kein Wunder, sie liegen genau auf der anderen Seite der Bucht. Auf dem Rückweg zur Tanamera machen wir einen Umweg zur SY Baloo. Anne und Bob schwärmen vom ruhigen liegen hier. So entscheiden wir uns, noch einmal um zu ankern. Wir hoffen, dass es dort bei dieser Windrichtung etwas geschützter ist

und es ist auch nicht so tief. Anstelle der 11 Meter hier ankern wir dort nur auf 4 Meter. Der Weg zum Dingidock ist zwar immer noch ruppig und nass, aber nicht mehr ganz so weit.

St. Lucia, die Pitons, ein Naturpark
St. Lucia, die Pitons, ein Naturpark

07.02.18

Bequia, Admiralty Bay

 

So viel wir auch hin und her rechnen: es sind und bleiben 62 Seemeilen von der Marigot Bay bis zur Insel Bequia. St. Vincent wäre zwar ein idealer Zwischenstopp, aber leider ist diese Insel recht unsicher geworden und von einem Besuch wird generell abgeraten. Immer wieder passieren Übergriffe auf Yachten und Segler. Schade, denn die Insel sieht wirklich recht ansprechend aus.

Um noch rechtzeitig bei Tageslicht in Bequia anzukommen, gehen wir morgens um halb sechs Uhr Ankerauf.

Notgedrungen musste der Skipper, auf dem Kat vor uns, mit uns aufstehen, denn er hatte gestern

Abend so blöd geankert, das er direkt über unseren Anker liegt. Aber alles klappt gut, er ist rechtzeitig wach und fährt seinen Kat zur Seite, so das wir unseren Anker ohne Probleme an Bord bekommen. Kurze Zeit

später setzt Wolfgang das Groß – 2 fach gerefft. Hätten wir auch bleiben lassen können da wir die nächsten 15 sm kaum Wind haben. Müde bläst es mit 8 Knoten, wir müssen die Maschine anschmeißen. Kaum aber haben wir die Südspitze von St. Lucia erreicht pfeift es wieder mit den zurzeit üblichen 24 Knoten aus Ost.

Wieder haben wir halben Wind, die See zwischen den Inseln ist diesmal aber sehr rau. Kreuzseen mit einer hohen Dünung von ca. 2,50 Meter. Auf der Leeseite von St. Vincent beruhigt sich die See wieder, wir können verschnaufen. Dann noch einmal 8 Meilen von der Südspitze von St. Vincent bis Bequia und endlich fällt

der Anker gegen halb sechs in der Admiralty Bay. Das war ein langer Tag, wir sind doch etwas geschafft. Jochen und Christiane sind heute auch hier eingetroffen. Den Beiden würden wir gerne noch Tschüss sagen, trennen sich doch hier wieder unsere Wege. Aber trotzdem können sie uns nicht überreden, noch mit ihnen zum Essen an Land zu fahren. Wir haben ja auch noch nicht einklariert und das Dingi liegt an Deck und nicht im Wasser. Es ist echt nett von den Beiden, dass sie sich nach ihrem Landgang noch auf den Weg zu uns machen. Weit entfernt liegt deren Schiff, die Broader View Hamburg nicht, aber es bläst und schauert und die Welle ist unangenehm. Wir schnacken eine ganze Weile, denn wer weiß, wann wir uns wiedersehen werden und dann heißt es Abschiednehmen.

Thema: Fischen

Unter Langzeitseglern ein großes Thema. Fast jeder hat ne Angel draußen und fängt regelmäßig Thunfsch, Mahi Mahi, Makrele, Wahoo u.s.w. Sagen sie zumindest. Tja, WIR nicht. Bei der ersten Reise waren wir was fischen anbelangt weitaus aktiver, jetzt sind wir irgendwie bequemer geworden. Nichts gegen frischen

Fisch. Ausreden warum wir die Angel nicht benutzen haben wir immer. Heute ist es zu windig, die See zu ruppig, es regnet, die Strecke ist zu kurz, ja wir sind einfach zu faul. Deshalb fangen wir ja auch nichts. Dennoch, vor ein paar Tagen hatten wir die Angelleine draußen und es biss sogar einer an! Ein

Thunfisch zappelte am Haken. Jetzt fing aber erst die eigentliche Arbeit an. Wohlgemerkt, das Schiff schaukelt die ganze Zeit und folgende Schritte müssen wir machen: Zu zweit die Leine einholen. Wir benutzen keine Angelrute, sondern einfach eine starke Angelleine an dessen Ende ein 1 Meter langes Stück flexibler Nirodraht befestigt ist an dem sich der Köder und Harken befindet.

Aufgerollt wird diese auf einer selbstgemachten Rolle aus Schaumstoff. Als Ruckdämpfer haben wir eine Gummileine an der Angelleine befestigt (ohne sie haben wir zu viele Fische und Harken verloren), siehe Foto. Also ca. 30 Meter Leine per Hand einholen. Wolfgang zieht, der Fisch zieht, ich rolle auf. Den Gaff Haken bereithalten um den Fisch damit an Bord zu holen. Jetzt liegt er an Deck und zappelt wie wild. Nun

Betäuben. Wir benutzen ganz billigen Schnaps, nicht für uns, sondern für die Kiemen des Fisches. Haben mittlerweile aber auch gehört, dass dies auch nicht die beste Art sein soll. Andere nehmen zum Beispiel einen Baseballschläger. Auch nicht schlecht, haben wir aber nicht. Wir nehmen unsere Winchkurbel. Dann mit dem Messer ins Gehirn stechen um ihn zu töten. Ist nicht gerade schön und mir tut der Fisch auch jedes Mal leid.

Vielleicht haben wir deswegen auch nicht so oft die Angel draußen. Na ja, dann vorm Kopf einschneiden, am Schwanz hoch ziehen und dann den Fisch ausbluten lassen. Soweit so gut. Anschließend muss der Fisch nur noch Pfannengerecht fertig gemacht werden, also filetiert werden. Übrigens, das Schiff schaukelt immer noch. Ich hantiere mittlerweile mit einem spitzen, gut geschärften Messer

an dem Fisch herum und versuche gleichzeitig, die Balance zu halten, ohne mich oder Wolfgang „abzustechen“ oder meine Finger zu verlieren. Wisst ihr jetzt, warum wir bei rauher See NICHT fischen? Hinterher natürlich alles noch saubermachen und vom Fischgeruch und Blut befreien. Aber die Mühe hat sich dann doch gelohnt. Es hat lecker geschmeckt.

Marigot Bay, Blick von der Lagune Richtung Ausgang
Marigot Bay, Blick von der Lagune Richtung Ausgang

06.02.18 St.

Lucia, Marigot Bay

 

Marigot Bay soll eine der attraktivsten Bucht auf St. Lucia sein. Sie liegt 8 sm weiter südlich.

Hier wollen wir bei der Immigration ausklarieren. Wir haben sogar Glück und

ergattern im Eingang zu der kleinen Lagune einen Ankerplatz. Ansonsten hätten

wir für 30 US$ eine Mooringboje nehmen müssen. Das ist auch ein Grund, warum wir nicht weiter gen Süden in die Soufriére Bucht gegangen sind. Die liegt im Naturschutzgebiet und Ankern ist dort nicht erlaubt. Es gibt nur Mooringbojen.

Wir sind noch beim Ankermanöver, da kommt ein Schlauchboot heran. Ein junger Mann will uns Obst verkaufen. Wolfgang vertröstet ihn auf später, er will erst einmal unseren Anker unten haben. Geduldig wartet der Obstverkäufer und kaum ist unser Motor aus, kommt er wieder an. Seine Auswahl an Obst ist aber sehr begrenzt. Ich möchte gerne Guava probieren denn die kennen wir noch nicht. Sie hat Ähnlichkeit mit einer

Birne, das Fruchtfleisch ist leicht rosa und hat einen starken aromatischen Geschmack. Ich kaufe einige Guavas und ergattere auch noch eine schöne Papaya. Ansonsten ist diese Bucht wirklich schön. Da wir im Ein- bzw. Ausgang der Bay liegen können wir gut den ganzen Schiffsverkehr beobachten. Es ist ein stetiges kommen

und gehen. Jedes Schiff, das hier ankommt, wird sofort von einem der Bootboys in Empfang genommen. Entweder wird Obst und Gemüse verkauft oder die Schiffe werden zu Mooringbojen geleitet.

Leider bläst es seit ein paar Tagen wieder recht heftig. Auch auf den Ankerplätzen ist das zu spüren. Hier in der Marigot Bay pfeift es richtig durch die Bucht – Fallböen. Wie gut, dass wir unseren Anker gut eingefahren haben.

Wir sind gerade dabei unser Dingi an Bord zu nehmen, als wir ein Hobbykat entdecken, bei dem gerade das Segel gerissen war. Nun treibt er langsam bzw. bei dem Wind eher schnell von dannen. Wolfgang spielt mal wieder Retter in der Not und schleppt das Gefährt zum Strand zurück. Ein sehr mühsames Unterfangen, denn wir haben zur Zeit nur unseren 2 PS Außenborder in Betrieb und gegen die Böen kommt Wolfgang nur sehr mühsam voran.

05.02.18 St. Lucia,  Rodney Bay

 

Wind wollten wir haben – in Maßen. Bekommen haben wir 25 bis 27 Knoten (6 Bft.) – sowie

halben Wind. Mit 2 Reffs im Groß und Fock laufen wir um die 6,4 Knoten. Das ist für unsere Tanamera eine schnelle Überfahrt und in Null Komma nichts liegen wir in der Rodney Bay, St. Lucia, vor Anker.

Tja, wie soll ich die jetzt beschreiben. Mein Problem ist, dass ich St. Lucia auch schon vor 20 Jahren auf unserer ersten Reise abgelehnt habe. Zuviel Überfälle und Diebstähle. Das muss ich einfach nicht haben und es gibt genügend andere Inseln. Aber: ohne Zwischenstopp auf St. Lucia hätten wir eine Nachtfahrt nach Bequia machen müssen und das wollte ich nun auch wieder nicht. So hatten wir uns entschieden, doch einen kurzen Halt in St. Lucia einzulegen. Geklaut wird schließlich überall und hier sind wir eben besonders vorsichtig. Trotzdem kann ich meine Ablehnung nicht einfach in positive Gefühle umwandeln. Ich versuche es, aber gerade auf St.Lucia fällt es mit sehr schwer. Die Bucht ist riesig. Platz zum Ankern ist wahrlich genug vorhanden. Aber die Rodney Bay ist landschaftlich so etwas von unattraktiv. Der Ankerplatz ist unruhig durch Jetskies und Fischerboote. Der Weg mit dem Dinghy zur Marina ist ellenlang. Wir müssen durch einen langen Kanal und dann eröffnet sich vor uns eine riesige Marina Anlage. Großzügig und gepflegt. Aber eben alles künstlich. Einen Ortskern gibt es hier nicht. Er liegt auf der anderen Seite des Kanals in einiger Entfernung. Wir laufen ein Stück die Hauptstraße entlang, geben es aber bald auf, denn hier gibt es nicht so recht was zu entdecken und der Straßenverkehr nervt. Auf dem Rückweg trinken wir noch ein Bier in einer kleinen Bar auf dem Marinagelände und haben Zugang zum WIFI Netz. Jetzt kann ich auch mal was Positives berichten, das Wifi Netz ist im Gegensatz zu Martinique sehr schnell.

 

Das Einklarieren geht relativ einfach und schnell. Wir hatten zwei Tage vorher alle unsere Daten online bei Sailclear.com eingegeben. Dadurch blieb uns hier fast der ganze Papierkram erspart. Wir wurden sogar vorgelassen. Die 3 Segler, die schon eine Weile vor uns die ganzen Formulare ausgefüllt hatten und nun in der Warteschlange standen, guckten nicht schlecht. Wir klarierten gleich ein und wieder aus. Im Gegensatz

zu Dominika ist es hier aber etwas komplizierter. Einmal bekommen wir nur drei Tage Aufenthalt. Das Einchecken kostet 30 EC$, also bummelige 10 Euro. Zweitens müssen wir, obwohl wir ausgecheckt haben, trotzdem noch kurz vor der Abreise aus St Lucia zur Immigration, um uns dort unseren Ausreisestempel zu holen. Finde ich blöd und nicht Seglerfreundlich.

Zurück auf der Tanamera bekommen wir Besuch. Schon von weitem sehen wir ein abenteuerlich anmutendes Gefährt auf uns zu kommen.  eim näher kommen erkennen wir ein Holzboot mit über die Bordwände

hängenden Tüchern und einer Stellage aus Palmenzweigen. Angetrieben wird es von einem kleinen Außenborder. Der Obstmann heißt Gregory und ich sehe ihn kaum durch die Palmenzweige. Er verkauft Grapefruit, Bananen, Gurken und Tomaten. Was wir benötigen würden, fragt er mich freundlich. Ich entscheide mich für Grapefruits und Bananen. Er ist glücklich uns etwas verkauft zu haben und wir kommen in den Genuss von ein paar Vitaminen.

Ein Regal voller Rum, in der Karibik gibt es wohl um die 60 verschiedene Rumdestillerien
Ein Regal voller Rum, in der Karibik gibt es wohl um die 60 verschiedene Rumdestillerien

04.02.18 St. Anne

 

Das Wochenende verbringen wir außerhalb der Lagune in der Bucht vor St. Anne. Das Ankerfeld ist hier riesig, aber wir finden noch einen guten Platz relativ dicht an der Pier. Ist auch gut so, denn so haben wir nur eine kurze feuchte Dingifahrt

dorthin. Nachmittags schnorchle ich und schaue unser Unterwasserschiff an und finde es erstaunlich sauber. Nur vereinzelt grüner Schleim und wenige Pocken sehe ich. Wolfgang will das

nicht so recht glauben, denn er hatte vor eine Woche beim Schnorcheln richtig schlimmen Bewuchs gesehen. Das Wasser, empfand ich extrem „kalt“. Wir nähern uns ja schließlich auch dem Karibischen Winter. Auf jeden Fall ist es nicht

mehr so piewarm wie im November. Nach dem Bad will mir einfach nicht mehr warm werden. Ich sitze im Salon und hab mich in eine Faserpelzdecke eingewickelt.

 

Später kommt Jan vorbei. Er ist Deutscher und lebt seit fast 20 Jahren in der Karibik. In den letzten Jahren hier auf Martinique. Er ist ein echter Lebenskünstler. In Le Marin arbeitet er zurzeit bei einer Chartergesellschaft. Da er die Karibik und die Ecke hier wie seine Westentasche kennt, erhalten wir gute Tipps. Zudem ist er auch noch ein fanatischer Angler. Am nächsten Tag bringt er uns frisch gefangenen Snapper, pfannenfertig filetiert.

Super

und noch einmal Fort de France
und noch einmal Fort de France

Donnerstag

01.02.18

 

Der Wecker klingelt um kurz vor sechs. Eine Stunde später sind wir auf dem Weg zur Bushaltestelle. Wir sind nicht die einzigen, die so früh schon unterwegs sind.

Neben dem normalen frühmorgentlichen Verkehr kommen uns Passanten mit Baguettes in der Hand entgegen. So ein schönes, frisches, hätte ich jetzt auch gerne zum Frühstück gehabt. Am Strand bläst ein Einheimischer in eine Conchmuschel. Der satte, tiefe Ton schallt weit und für die Leute heißt dies: hier gibt es jetzt frischen Fisch. Neben einem Auto ist ein kleiner Tisch aufgebaut worden, auf dem eine große Dorade auf ihre Zerstückelung wartet.

 

An der Bushaltestelle wartet schon ein Taxi Collectiv, ein kleines Sammeltaxi (7,40 Euro bis Fort de France). Gleich rein und ab geht die Post. Es geht zügig voran, meist auf einer Schnellstraße. Dann staut es sich ab Höhe Flugplatz. Aber wir sind trotzdem schon um halb neun in Fort de France. Viel zu früh.

Wir gehen in eine Bäckerei und essen ein Pain o Chocolat. Die kamen gerade aus dem Ofen und sind noch warm. Hmm, lecker.Danach kaufen wir beim Carrefour noch ein Gouda Rad. 9,99 Euro das kg, günstiger geht es wirklich nicht. Den Rest der Zeit bis zum Arzttermin vertreiben wir uns in der Schoelcher Bibliothek beim Surfen.

 

Danach geht es zum Hautarzt. Die Dame an der Rezeption erkennt mich wieder, wir kennen uns ja

jetzt schon mit der Reihenfolge aus. Wolfgang kommt sofort dran. Nicht schlecht. Das Muttermal entfernen geht schnell. Aber dann. Ob wir mit dem Auto da sind. Nein, tja nicht so gut, da sich das Labor außerhalb von Fort de France in einer Uniklinik befindet. Und nun? Bus. Welcher denn und eigentlich wollen wir ja zurück nach Le Marin. Taxi ist uns zu teuer, es wird sich für uns erkundigt. 15 Euro eine Fahrt. Der Bus hin und zurück kostet nur 4,60. Vielleicht könnte man auch die Probe mit der Post schicken. Dr. Quitman ruft im Labor an. Nein.

Das geht nicht, schon alleine wegen der Bezahlung. Drei Leute diskutieren auf Französisch hin und her. Letztendlich entscheiden wir uns für den Bus. Die Linie zwei müssen wir nehmen, aber es würde uns ein Mitarbeiter begleiten und zeigen, wohin wir müssen. Sie sind wirklich rührend um uns besorgt. Schnell noch bezahlen und da falle ich echt auf den Rücken.

Nicht weil es so teuer ist, nein, das Muttermal entfernen, sowie eine Biopsie kostet schlappe 20 Euro. Das ist ja schon peinlich. Außerdem haben wir auch noch ein Rezept für Antibiotika erhalten. Ich hatte sie einfach danach gefragt, da wir unsere Apotheke wieder aufstocken wollten.

Unser Begleiter zeigt uns die Bushaltestelle und zeigt uns auch die Stelle, wo wir das Busticket kaufen

müssen, dies geht nämlich nicht im Bus, da es sich diesmal nicht um ein Sammeltaxi handelt, es ist ein normaler Bus. Dann steht er mit uns bestimmt noch eine halbe Stunde an der Haltestelle und wartet mit uns, nicht

das wir noch in den falschen einsteigen! Absolut nett. Die Ärztin Dr. Quitman in der Rue Foie können wir nur wärmstens empfehlen.

 

Die Linie Nummer zwei bringt uns zügig zum Hospital und nach einer Nachfrage stehen wir an der Rezeption vom Labor. Ein Reisepass wird verlangt und die Karte der Krankenkasse. Nein, die haben wir nicht, wir wollen privat zahlen. DAS ist jetzt aber ein Problem. Ein englisch sprechender Arzt wird her zitiert, hört sich das Problem an und sagt sofort „das wird in dem Fall nicht berechnet, es wäre ein zu großer Aufwand“. Boa, jetzt

sind wir aber platt. Es wird noch geklärt, dass der Bericht an Dr. Quitman gehen soll, die wird es an uns weiterleiten – hoffentlich - und dann sind wir schon wieder beim Bus. In Fort de France essen wir noch eine Kleinigkeit, uns hängt der Magen mittlerweile auf halb acht. Dann sitzen wir auch schon wieder in dem

Sammeltaxi und um vier sind wir endlich wieder zu Hause. Geschafft, im wahrsten Sinne des Wortes.

 

Petit d´Anse, eine Nachbarbucht, sehr schön, aber leider ungeschützer, bzw. rollig.
Petit d´Anse, eine Nachbarbucht, sehr schön, aber leider ungeschützer, bzw. rollig.

Dienstag 30.01.18

 

Lang, lang ist es her, dass ich geschrieben habe. Aber so richtig viel ist bei uns nicht passiert. Eine gute Woche lang haben wir Badeurlaub gemacht. Wir ankerten in der von Fort de France nur 9 sm entfernten Bucht Grand Anse D´Arlet. Eine

landschaftlich schöne Ankerbucht. Hier lagen wir ruhig (kein Schwell) und konnten gut von Bord aus schwimmen gehen. Weil die Bucht sehr attraktiv ist,

unter anderem gibt es viele Schildkröten hier, zieht sie natürlich auch viele andere Boote hier her. Selbst kleinere Kreuzfahrtschiffe hatten sich hier her verirrt. Durch das Ankerfeld fahren öfters Boote der hiesigen Tauchschulen. Die

stören aber nicht weiter, da sie sehr langsam fahren, schon alleine wegen der vielen Schwimmer und Schnorchler.

Nach unserem „Kurzurlaub“ steht Wolfgangs Arzttermin an. Dafür verholen wir unsere Tanamera wieder

nach Fort de France. Beim Hautarzt ist alles soweit ok, aber vorsichtshalber soll ein Muttermal entfernt werden. So ein Mist, das wirft mal wieder unsere ganzen Pläne über den Haufen. In einer Woche hat Wolfgang seinen Termin zum Rausschnippeln. So haben wir aber genug Zeit, um mit dem Schiff nach Le Marin zu fahren. Dort haben wir ja ein Meeting mit Jochen, Christiane und Inka. Das klappt auch alles super. Es war echt schön, die drei nach über zwei Jahren, bei Inka ist es noch länger her, wiederzusehen. Christiane hatte uns sogar noch ein

spezielles Mitbringsel überreicht: frisches Schwarzbrot von einem deutschen Bäcker, Salami und ein Marzipanbrot. Einfach total lecker.

 

Wir ankern mit dem Schiff diesmal in Le Marin in der Lagune. Der große Vorteil: wir liegen hier sehr geschützt. An zwei Tagen blies es mit 20 bis 30 Knoten und es baute sich trotzdem kaum Welle auf. Außerdem ist

der Weg an Land nicht all zu weit. Der Nachteil: aufgrund der Unmengen von Booten die hier liegen und der dadurch schlechten Wasserqualität ist schwimmen gehen nicht ratsam.

Wir haben uns jetzt entschlossen, nicht mit unserer Tanamera zurück nach Fort de France zufahren,

sondern mit dem Bus. Müssen dafür zwar mit den Hühnern aufstehen, denn etwas Zeit nach hinten wollen wir uns offenlassen, es wäre ja fatal, wenn wir den Arzttermin verpassen würden.

 

Wir laufen durch den Ort Le Marin, schauen uns Geschäfte an und natürlich Marinezubehörläden. Und die gibt es hier reichlich. Nur das Internet ist hier mehr als mies. Eigentlich von Digicel eine Frechheit. Da bezahlen wir für drei GB 40 Euro und bekommen ganz selten mal ein schnelles Netz. Seitdem wir in Le Marin sind, haben wir nur noch E, also ein kaum vorhandenes und sehr langsames Netz. Surfen bringt da wirklich keinen Spaß mehr.

 

Einen Frisörtermin hatte ich in Le Marin auch. Nach drei Monaten wurde es wieder Zeit. Aber das ging diesmal in die Hose. Nicht, dass ich mit grünen Haaren wieder rauskam, aber nächstes Mal gehe ich wieder zu

einem Frisör, der mich auch versteht. Normalerweise wird ja gefragt, wieviel er abschneiden soll. Habe ich der Friseurin mit zwei Fingern auch gezeigt. Tja, bloß hier auf Martinique ist es wohl anders. Das Stück was ich gezeigt hatte blieb nämlich stehen. Scheiße. So kurz hatte ich die Haare noch nie. Zum Glück wollte ich ein

ordentliches Stück abhaben, sonst wäre das ja richtig schrecklich geworden. Na ja, nun sehe ich aus wie ein zerrupftes Huhn und Wolfgang hat mich nur ganz entsetzt angeschaut. Aber das tut er schnell, denn er mag es nicht, wenn meine Haare zu kurz sind. Kann ich ja jetzt eh nicht mehr ändern und es wächst ja wieder nach. Und nein, Bilder bekommt Ihr definitiv NICHT zu sehen.

Das Theater
Das Theater

Dienstag 09.01.18

 

Und nochmals an Land. Heute ist Sightseeing mit Kamera angesagt. Zuvor lassen wir unsere Prepaidkarte aufladen, Internet ist ganz schön teuer hier, aber ich möchte auch nicht drauf verzichten. Wolfgang und ich laufen kreuz und quer durch die Stadt. Dabei finden

wir noch einen dritten Supermarkt, der auch nicht schlecht ist und es gibt hier sogar eine kleine Frischetheke. Auf dem Platz vor dem Supermarkt besuchen wir den Obst und Gemüsemarkt. Dieser gefällt uns weitaus besser, als der in der Markthalle. Dort ist alles rein für den Touristen

aufgebaut, wenig Gemüse, dafür viel Schnick Schnack. Wir kommen an einem Café Bord de Mer vorbei. Hier könnten wir doch kurz halt machen und etwas zum Trinken bestellen? Ein Blick ins Innere und wir staunen. Das „Café der Zukunft“ besteht aus Automaten: Kaffee, Eis, Süßigkeiten, kalte Getränke können wir ziehen. Kuchen gibt es noch nicht, aber das kann ja noch kommen. Wir schütteln den Kopf und gehen schnell weiter. Das ist uns dann doch etwas zu ungemütlich.

An solche Ankermanöver müssen wir uns erst gewöhnen
An solche Ankermanöver müssen wir uns erst gewöhnen

Montag 08.01.18

 

Gestern hatte sich noch eine Segelyacht, Franzose? (wir wissen es nicht genau, da er keine Flaggen führt) neben uns gelegt. Im ersten Moment sah alles ganz ok aus. Sobald wir uns etwas drehten, sah es plötzlich ganz anders aus. Jetzt lag er mit einem mal in Sprungweite neben bzw. vor uns. Wir schauten uns das ganze etwas

beunruhigt an, da sein Heck, selbst für uns, sehr dicht vor unserem Bug lag. Aber ihn kümmert das nicht und wir legen uns bestimmt nicht um, außerdem haben wir ein Stahlschiff und einen stabilen Bugsprit. Nur die Nerven behalten. Die SY Baloo ist gekommen und ankert fast neben uns.

Wir fahren an Land, zweiter Versuch. Und siehe da, alle Geschäfte und Restaurants haben geöffnet und es tobt der Bär. Dazu kommt noch ein Kreuzfahrtschiff, das direkt hinter uns am Landungssteg liegt und seine Passagiere in die Stadt schaufelt.

Als erstes gehen wir zu dem vom TO empfohlenen Hautarzt. Es ist ein gutes Stück zu Laufen. Liegt natürlich auf einer Anhöhe neben dem Hospital. Eine Sprechstundenhilfe gibt es nicht. Wir sitzen im Wartezimmer. Eigentlich ist das kein richtiges Wartezimmer, es ist eine Nische im Treppenhaus. Eine gute Stunde lang tut sich gar nichts. Mist, was nun, wir wollen hier nicht ewig warten. Ich gehe raus, probiere zu telefonieren. Bekomme

aber nur eine Bandansage, die ich eh nicht verstehe. Probiere Eric vom TO zu erreichen und bekomme seine Frau Anne an die Strippe. Sie ist sehr hilfsbereit. Sie dachte wir hätten schon längst einen Termin ausgemacht. Hatte ich ja auch probiert. Aber in Französisch zu telefonieren, besonders, wenn ich kaum ein Wort davon spreche (alles vergessen) ist so etwas von mühsam. Das einzige was ich vor Weihnachten rausbekam war,

dass die Hautärzte in Urlaub sind und erst Anfang Januar wieder da sind. Anne meint, dass die Hautarztpraxis wohl eine Wartezeit von ca. 3 Monaten hat. Und nun? Sie will einen anderen Arzt kontaktieren und will sich wieder melden. Wir verlassen die Praxis und machen noch etwas Sightseeing in der Stadt. Dann

kommen die Supermärkte dran. Erst zum Carrefour, wo wir Bob und Anne von der SY Baloo treffen. Eine halbe Stunde später sind wir im Leader Price, einem weiteren Supermarkt und wen treffen wir da? Bob und Anne. Es zeigt sich doch immer wieder: Segler zieht es immer wieder dahin wo es Lebensmittel zu kaufen gibt.

Sonntag 07.01.18 Fort de France

 

Was für ein Schrott Wetter haben wir in den letzten Tagen. Graue Wolken und Regen. Hab nicht mal Lust an Land zu gehen. Ok, in DE ist es kalt und nass, in den USA haben die zurzeit einen Blizzard und Kälte, aber beim Wort Karibik da denkt jeder (wir) an Sonne und Wärme und NICHT an Wasser von oben. Na ja, wenigstens unsere Beinmuskeln werden trainiert, denn immer wieder müssen wir aufspringen: um die Luken auf und zu zu machen.

Heute wollen wir weiter nach Fort de France. Müssen aber vorher noch unseren Nachbarn verscheuchen.

Die waren gestern Abend im Dunkeln angekommen und liegen jetzt über unserer Kette und dem Anker. Wie kann man eigentlich ein Stahlschiff entmagnetisieren?? Irgendwie haben wir das Gefühl, dass andere Yachten gerne an unserer Tanamera kleben (Ankern).

Elf Meilen  bis Fort de France. Haben natürlich wieder Gegenwind, teilweise bis zu 22 Knoten. Aber unter Maschine ist das noch ok, trotz der Welle von vorn. Wir probieren erst einmal, ob wir einen Platz direkt in Fort de France vor der Promenade bekommen. Es sieht von weitem voll aus – für mich jedenfalls. Wir schlängeln uns durch das Ankerfeld ganz durch und siehe da, in der Nähe der Promenade ist für unsere Tanamera noch genug Platz zum ankern vorhanden.

Von Christiane aus DE bekommen wir eine Mail: Wir kommen am 27.01. nach Fort de France, seid Ihr dann noch auf Martinique? Wir würden Euch dort gerne treffen. Toll, wir bleiben natürlich bis Ende des Monats in der Gegend um Fort de France. Es ist so schön, sie wieder mal zu sehen. Gemeinsam sind wir damals mit Christiane, Jochen und Inka und deren Socorro zu unserer ersten Reise gestartet. Wolfgang denkt natürlich sofort an „Teile mitbringen lassen“. Ich sehe ihn im Geiste schon endlose Listen zusammenstellen. Ich kann ihn bremsen, aber Log- und Lotgeber müssen sein. Der Loggeber ist schon seit einiger Zeit defekt und zeigt

keine Bootsgeschwindigkeit mehr an. Der Lotgeber, also der Tiefenmesser ist aber als Ersatzteil gedacht.

Nachmittags fahren wir noch an Land. Das Stadtbild hat sich in den letzten zwei Jahren sehr geändert. Als wir hier vor zwei Jahren ankamen, war die Promenade eine einzige Baustelle. Jetzt ist alles fertig und es sieht gut aus. Neben der Hauptstraße ist ein breiter mit blühenden Büschen versehender Grünstreifen entstanden,

die Promenade selbst ist gepflastert. Das haben die gut hingekriegt. Aber wenn man denkt nur unser Schleswig ist am Sonntag tot, dann solltest Du mal hier an einem Sonntagnachmittag spazieren gehen. Die Bürgersteige sind ja sowas von hochgeklappt. Dabei ist es die Hauptstadt von Martinique mit ca. 82000 Einwohnern. Kein Café, kein Restaurant, nichts hat geöffnet. Auch kaum Spaziergänger und Autos sind auf den Straßen zu

sehen.

Wolfgang mit Bob und Anne von der SY Baloo in der Rum Destillerie
Wolfgang mit Bob und Anne von der SY Baloo in der Rum Destillerie

02.01.18

 

Mittlerweile ist die SY Baloo aus Dominica hier

eingetroffen. Zusammen besuchen wir das Museum von St. Pierre. Es ist ein

kleines Museummit dem Thema: Der Montagne Pelee Vulkanausbruch im Mai 1902,

welcher St. Pierre zerstörte und 22900 Menschen das Leben kostete.

Danach entschließen wir uns, noch weiter zur Rhum Depaz Destillerie zu gehen. Ein 45

Minütiger Spaziergang zwischen Zuckerrohrfeldern den Berg hinauf. Ein Teil der Destillerie kann besichtigt werden. Aber eigentlich sehe ich – außer großen Tanks und vielen Röhren – nicht viel. Wolfgang und Bob sehen das anders. Während

der Saison von Februar bis Juni werden hier am Tag 25000 Liter Rum erzeugt. Im Laden der Destillerie kann der Rum gekostet werden, was wir natürlich auch tun. Sehr zu empfehlen auf nüchternem Magen

31.12.17

Sylvester

 

Mein Geburtstag fällt im wahrsten Sinne des Wortes ins Wasser. Es regnet Bindfäden.

Mittagessen an Land fällt somit aus, das ist mir nun wirklich zu Nass. Wir verbringen einen gemütlichen Tag an Bord. Zum Essen gibt es das verspätete Weihnachtsessen: Rouladen aus der Dose mit Rotkohl und Kartoffeln. Leider gibt es um Mitternacht kein Feuerwerk. Andererseits bei dem starken Regen wäre sowie so nichts zu sehen gewesen.

30.12.17

 

Es geht nicht. Früh morgens klopft die Boje lustig an unserem Rumpf an. Ist nur

Plastik, aber macht dennoch ordentlich Lärm. Wir kommen ums umankern nicht

herum. Zwischenzeitlich hat sich das Ankerfeld etwas gelichtet, es dürfte jetzt

nicht mehr so schwierig werden einen guten Platz zu finden. Denkste. Erschwerender weise kommt noch das erwähnte Sperrgebiet hinzu, in diesem dürfen wir auch nicht ankern. Ehe wir mit unserem Platz richtig zufrieden sind haben wir vier Ankerversuche hinter uns. Für uns ein absoluter Rekord. Danach haben wir auch die Schnauze voll. Von hier bewegen wir uns jetzt nicht mehr so schnell weg. Schnell gefrühstückt und dann fahren wir an Land.

Einklarieren, Wäsche waschen und Prepaidkarte fürs Internet holen. Ach ja, auch noch frisches Gemüse und Obst und das langersehnte Baguette wird eingekauft. Zurück an Bord sehen wir, dass sich eine dänische Segelyacht zwischen Mooringbojen und uns noch reingequetscht hat. So ein 20 Meter langes Schiff. Hübsch

anzusehen, aber für unseren Geschmack doch etwas zu dicht vor unserem Bug. Hoffentlich hat der seinen Anker gut eingefahren. Kaum haben wir unsere Lebensmittel verstaut kommt von vorn ein Höllenlärm: die Dänen haben doch glatt ihren Tauchkompressor angeschmissen. Das kann doch nicht wahr sein! Wir sind

sauer. Überall ist zurzeit genug Platz, warum gerade vor unserem Bug??? Sauersein hilft aber auch nichts und die da vorne kriegen eh nichts von unserem Ärger mit. Zum Glück dauert der Lärm nur eine gute halbe Stunde, dann ist erst einmal Ruhe – vorerst. 

29.12.17

Martinique, St. Pierre

 

Wir nehmen Abschied von Dominica. Beim ersten Tageslicht lichten wir den Anker. Das Wetter sieht nicht sehr vielversprechend aus. Vor uns und über Land türmen sich dunkle Regenwolken.

Das wird bestimmt eine nasse Überfahrt. Trotz guter Windvorhersage schmeißen

wir nach einiger Zeit genervt den Motor an. Durch die Leeküste haben wir eher wechselnde Winde. Mal mehr Wind, mal weniger und dann kommt er noch aus allen möglichen Richtungen. Bis zur Südspitze, Scotts Head Village motoren wir und ab dort frischt der Wind plötzlich stark auf. Kapeffekt: anfangs messen wir 20 –

30 Knoten. Als dann die Windgeschwindigkeitsanzeige kurz vor 40 Knoten stehen bleibt, schaue ich doch etwas besorgt. Das kann ja noch heiter werden. Gottseidank haben wir auf dem Ankerplatz schon zwei Reffs ins Großsegel gebunden. Zusammen mit zweidrittel weggerollter Fock laufen wir teilweise sieben Knoten! Nach einer halben Stunde sind wir weit genug vom Kap entfernt, so dass der Wind weniger wird. Im Durchschnitt haben wir jetzt so um die 25 Knoten mit Böen bis zu 30 Knoten Damit können wir leben. Wellenhöhe ca. drei Meter. Übrigens hat es, nachdem wir heute Morgen Portsmouth verlassen haben, keinen einzigen Regentropfen gegeben.

Gegen halb vier Uhr kommt St. Pierre auf Martinique in Sicht. Fast geschafft. Jetzt nur noch einen Ankerplatz finden. Und das gestaltet sich schwieriger als gedacht. Der Ankerplatz ist proppe voll. Wir können nur relativ dicht unter Land ankern, da es sehr schnell tief wird. 15 bis 20 Meter Wassertiefe sind uns zu tief zum Ankern. Auch müssen wir darauf achten nicht im Sperrgebiet zu landen. Wir werfen den Anker schließlich hinter einer anderen Segelyacht und liegen mit dem Heck dicht an einer Mooringboje. Ob das gut geht? Egal, für die Nacht muss es gehen.

24.12.17

 

Normalerweise wollten wir keine Tour über die Insel machen; aber Alexis ist ein guter Geschäftsmann und hatte das schlagende Argument: Die Leute haben viel verloren

und wenn jetzt auch noch die Touristen wegbleiben, haben sie gar kein Einkommen

mehr. Dominica lebt überwiegend vom Tourismus. Wo er Recht hat, hat er Recht.

Um acht Uhr morgens holt uns Alexis mit seinem Motorboot ab. Mit von der Partie sind unsere

amerikanischen Freunde Bob und Anne von der SY Baloo, sowie die Australier Lynn, John und Jane von der SY Orion. An Land erwartet uns Dillon, unser Fahrer für den Tag. Wir fahren die Küstenstraße auf der Westseite der Insel nach

Süden. Langsam. Schnell fahren ist wahrlich nicht drin, denn immer wieder wird vor Gefahren auf der Straße durch Schilder gewarnt. Durch den starken Regen den der Hurrikan mitgebracht hat, weist die Straße durch Erdrutsche und Unterspülung erhebliche Schäden auf. Immer wieder fahren wir über provisorisch errichtete Brücken. Die alten Brücken haben den Wasser- und Geröllfluten nicht standgehalten. Die Vegetation auf der Westseite der Insel ist schon wieder

herrlich grün geworden. Nach dem Hurrican fehlten die Blätter. Wir fahren auch an einer zerstörten Palmenplantage vorbei. Die Stämme ragen nackt in den Himmel, die Kronen sind abgebrochen und weggeweht worden.

Wir fahren durch Orte mit wohlklingenden Namen wie Colihaut, Coulibistrie die an kleinen Bächen und

Flüssen liegen. Hier sehen wir die Zerstörungswut des Hurricanes Maria.

Die kleinen Bäche wurden zu reißenden Fluten und haben ein Bild der Verwüstung hinterlassen. Links und rechts am Ufer fehlende Häuser, nur die Fundamente sind noch zu erkennen, zerstörte Häuser wo Mauern und Dächer fehlen, mit Sand und Geröll gefüllte Häuser und immer wieder Autos die Aussehen als wäre ein

Lkw in und über sie gefahren. Wie wolle n die armen Leute in den zerstörten Orten bloß Herr der Lage werden? Ohne schweres Gerät sehen wir da keine Chance Schutt und Trümmer, Felsen, Steine und Sand wegzuräumen. Der Wiederaufbau gestaltet sich sehr schwierig und wird lange dauern. Die Einwohner bekommen kaum Hilfe von der Regierung, die Banken vergeben keine Kredite, wie sollen sie das auch je zurückzahlen, denn viele

haben ihre Arbeit verloren da ihre Firmen zerstört sind. Dann natürlich das Problem der Materialbeschaffung. Es ist wirklich erschütternd, dies alles zu sehen.

Auch die Hauptstadt Roseau wurde stark gebeutelt. Der Strand der kompletten Bucht ist übersät mit Baumstämmen und Trümmern. Auch hier sehen wir Autos zwischen dem Strandgut liegen, zerstörte Häuser, davongeflogene Dächer und vieles mehr. Per Zufall halten wir genau an der Stelle, wo wir vor zwei Jahren

unseren ersten Rumpunsch in einer Bar genossen haben, an. Ein Teil der Bar ist  weg, ausradiert, wir sehen auch hier nur noch Trümmer. Je weiter wir gen Süden kommen, desto schlimmer wird es. An der Südspitze, in Scotts Head Village wohin gerne Touristen zum Schnorcheln und an den Strand fahren, sind alle an der

Straße zum Wasser hin liegenden Bars und Restaurants weggespült worden. Es ist nichts mehr übrig geblieben. Wir bewundern dennoch die Menschen. Trotz des Elends winken uns viele freundlich zu, lächeln und immer wieder hören wir das Welcome to Dominica.

Anne hatte zwei große Taschen mit Lebensmittel eingepackt und verteilt diese unterwegs immer wieder an Bedürftige. Die Domincaner sind ein stolzes Volk. Wir sehen keinen einzigen der bettelt. Sie versuchen, eher

Muscheln, selbstgebastelten Schmuck und anderes zu verkaufen. Es ist einfach hergestellt und sie

versuchen, damit ein paar $EC zu erhalten um nicht betteln zu müssen. Auf dem Rückweg stoppen wir an einem kleinen Imbiss der vor einem teilweise stark beschädigten Haus steht. Die junge Frau versucht, mit gegrilltem Huhn, Makaroni und Getränken Geld zu verdienen. Ihren Beruf als Psychotherapeutin kann sie zurzeit nicht ausführen. Sie freut sich wie eine Königin, als wir alle etwas zu essen bestellen.

Traurig ist auch der Anblick der Bierbrauerei Kubuli. Es ist das einheimische Bier auf Dominica.

Die Brauerei liegt an einem Bach und wurde durch Wassermassen und Geröll ziemlich zerstört. Ob sie je wieder aufgebaut wird? Gegen Spätnachmittag sind wir wieder in Portsmouth. Es war eine anstrengende Tour mit sehr vielen Eindrücken. Dominica ist immer noch schön und einen Besuch wert, aber wer weiß, wie lange es dauert, bis die gröbsten Schäden beseitigt sind und das Leben wieder normal läuft. Maria ist bisher der stärkste Hurrikan nach David 1979 gewesen, der Dominica getroffen hat.

Für das Zubereiten unseres Weihnachtsessens haben wir keine Energie mehr. Es gibt jetzt nur noch Spagetti mit Hacksoße, ein Glas Wein und dann ab ins Bett.

Markttag in Portsmouth
Markttag in Portsmouth

19.12.17 Dominica

 

Ein paar Mal machen wir Spaziergänge durch die Stadt Immer wieder werden wir dabei angesprochen, ob wir nicht Saft kaufen möchten oder andere Kleinigkeiten. Der „Saftman“, wie er sich uns vorstellt, sieht schon

etwas älter aus und er geht mit einer kleinen Sackkarre, auf der eine Eis Box befestigt ist, durch die Straßen. 6 EC, umgerechnet knappe 2 Euro kostet eine Flasche. Wir wählen Hibiskus Saft. Dieser ist gewürzt mit Ingwer und Zimt und es gibt ihn nur in der Weihnachtszeit. Zum Boot kommen zwei Einheimische auf einem alten, maroden Surfbrett angepaddelt. Sie möchten Sachen tauschen, fragen

ob wir Gemüse benötigen, oder ob sie unseren Müll gegen eine Gebühr entsorgen dürfen.

Vor zwei Jahren haben wir dies meistens verneint. Aber da wir nicht viele Möglichkeiten haben, die Leute hier zu unterstützen, kaufen wir Ihnen dann das doch recht teure Gemüse ab.

Gleich am Montagmorgen sind wir zum Pays Pavillion gefahren, um zu fragen, ob und was wir helfen können. Keiner da. Toll. Da will man helfen und dann lässt sich keiner blicken. Später kommt Jeff an. Er ist der sogenannte „Präsident“ der Gruppe. Er freut sich, dass wir helfen wollen, hat aber zurzeit Probleme mit dem

Materialnachschub. Einige Dachbleche sind in Antigua bestellt aber noch nicht geliefert worden. Bevor das Dach nicht fertig ist, es fehlen zum Glück nur 9 Platten erzählt er uns, kommt die Stromgesellschaft nicht und legt Strom. Eigentlich können wir uns nicht so recht vorstellen, das sonst gar nichts weiter zu tun

ist, aber gut, wenn Jeff nicht will, dann eben nicht. Nach wie vor hofft er, ein kleines Barbecue Weihnachten veranstalten zu können. Es kommt allerdings auch darauf an, wie viele Boote hier vor Anker liegen und dran teilnehmen wollen.

Jeff zeigt uns sein neues Holzhaus, das sich hinter dem Pavillion befindet. Im Oktober hatte er geplant, dort ein Restaurant zu eröffnen. Jetzt ist innen vieles zerstört und das Dach fehlt. Später sprechen wir eine Weile mit Alexis. Als wir fragen, was Weihnachten gemacht wird meint er: „Christmas? There is no Christmas. It was blown away from Hurrican Maria

15.12.17

Dominica, Portsmouth

 

Freitagnachmittag kommen wir an. Mehrere Schiffe liegen hier vor Anker. Zwei Boote der PAYS kommen uns entgegen und begrüßen uns: welcome to Dominica.

Mooringbojen gibt es zur Zeit keine, wir ankern. Wolfgang schnorchelt vorsichtshalber nach unserem Anker. Hat sich aber gut eingegraben stellt er fest. Weiter voraus sieht er eine Blechplatte, hinter uns eine komplette Palme auf dem Meeresgrund liegen.

Kurz darauf kommt Bill von der SY Toodle-oo vorbei und sagt hallo. Die anderen Segler wollen sich später an Land in einer Bar auf ein Bier treffen. Ob wir auch kommen wollen? Da müssen wir uns jetzt aber

sputen, denn wir wollen noch heute einklarieren. Und Zoll und Einwanderungsbehörde sind am anderen Ende der Stadt. Auf dem Weg dorthin bekommen wir die ersten Eindrücke der Zerstörung durch den Hurrican Maria mit; drei Monate ist das jetzt her. Es ist traurig. Viele der einfachen Holzhäuser sind teilweise komplett zerstört, bei vielen anderen fehlen die Dächer. Bei einigen Häusern sehen wir auf den Dächern provisorische Planen. Wasser, Strom und Telefon funktionieren wieder einigermaßen, Internet noch nicht. Wir hören

jedoch, dass es die Orte im Osten der Insel noch weit heftiger getroffen hat. Aber von überall schallen Hammer- und Sägegeräusche zu uns herüber. Es wird fleißig wieder aufgebaut.

Es herrscht reger Verkehr auf den Straßen. Die Autos sehen zum großen Teil ziemlich ramponiert aus. Sie haben überall Beulen, Dellen und eingeschlagene Scheiben.

Einige Geschäfte haben auf. Das Sortiment ist aber noch kläglich. Gemüse und Früchte sind nur bedingt zu bekommen. Tomaten, Gurken, Kartoffeln, Zwiebeln sind reichlich zu bekommen, aber an Früchten mangelt es. Viele der Bäume sind zerstört. Kakao, Bananen, Mangos, Papayas müssen erst wieder gepflanzt werden.

Auf dem Gehweg bzw. der Straße müssen wir verdammt aufpassen wo wir hintreten. Immer wieder liegt ein Haufen alter Kabel herum. Die Stromleitungen wurden neu verlegt, die alten Kabel liegen aber noch kreuz und quer auf den Wegen. Dazwischen stapelt sich immer wieder ein Schutthaufen mit zerstörtem Hausrat

und Wellblechplatten. Die Leute sind aber nett und sehr freundlich und haben das Lächeln nicht verlernt. Immer wieder hören wir ein: welcome back to Dominica. Wir sind froh, dass wir hierhergekommen sind. Wir haben hier überhaupt nicht das Gefühl, dass es unsicher ist.

Das Gebäude zum Einklarieren befindet sich an einer langen Pier. Auch hier sind die meisten Lagerhallen zerstört. Wir sehen nebenan ein riesiges Zelt einer Welthilfsorganisation mit darin befindlichen Hilfsgütern. Das Einklarieren ist einfach. Wir können sogar in einem Rutsch ein- und ausklarieren und dürfen uns

zwei Wochen auf Dominica aufhalten. Wenn wir länger bleiben wollen, kein Problem. Wir sollen dann nur kurz vorbeikommen um zu verlängern. Das ganze kostet uns 5 Euro Bearbeitungsgebühr.

 Der Wald hinter der Stadt die Berge rauf sieht arg zerrupft aus. Viele umgestürzte Bäume, oder einfach nur das nackte Baumgerüst, die Blätter fehlen komplett – weggepustet - sind aber schon eifrig am

Nachwachsen. Das ist das gute an diesem Klima. Alles wächst wie Hulle. Aber dennoch wird es in einigen Gebieten einige Jahre dauern, ehe alles wieder richtig nachgewachsen ist. Auch um den Indian River herum, ein Touristenhighlight, sieht es trostlos aus. Der Urwald der direkt bis zum Fluss ging, ist weg. Vor

zwei Jahren wurden wir jedesmal auf der Straße von vielen Führern angesprochen, die uns fragten ob wir eine Bootstour mit ihnen machen möchten. Diesmal nicht. Es gibt kaum Boote, denn die meisten wurden zerstört.

In einem kleinen Supermarkt wird Wolfgang von einem Einheimischen angesprochen: Dich kenne ich doch? Es ist Eddison. Vor zwei Jahren hatten wir eine Tour über die Insel bei ihm gebucht.

Sogar hier oben hat Mann Empfang, Wolfgang telefoniert mit seiner Mutter
Sogar hier oben hat Mann Empfang, Wolfgang telefoniert mit seiner Mutter

14.12.17

Guadeloupe, die Saints

 

Einen kurzen Zwischenstopp legen wir auf den Saints ein, einer kleinen Inselgruppe südlich von Guadeloupe. Hier klarieren wir auch aus. Aber zuerst erkunden wir die Insel. Uns lockt ein Berggipfel, der Chameau, ganze 304 Meter hoch. Laut Maps.me eine gute App, die man auch offline nutzen kann, sind es nur 2,5 Kilometer. Kein Problem? Na ja, wir schnaufen ganz schön.

Kein Wunder bei 30 Grad, kaum Schatten, kaum Wind und logischerweise geht es die ganze Zeit bergauf. Wir können gar nicht so viel trinken wie wir wieder ausschwitzen. Aber der Blick von oben ist einfach traumhaft und die ganze Malocherei hat sich wirklich gelohnt.

Nachmittags klarieren wir aus. Kurzentschlossen haben wir unser Ziel von Martinique auf Dominica geändert. Erst wollten wir diese Insel nicht anlaufen, da wir zu viele negative Stories von anderen Seglern gehört

hatten: es wäre nicht sicher, man solle einen Bogen um Dominica wegen Piraterie machen, die Insel wäre sehr zerstört und so weiter. Seit ein paar Tagen hören wir in das OCC Netz (Englischer Segelclub), welches

jeden Morgen auf SSB gesendet wird, rein und hören nur positives über Dominica.

Die Segelyacht Toodle-oo und noch ein paar andere Yachten liegen schon seit über einer Woche in Portsmouth erfahren wir und helfen den PAYS (Portsmouth Association Yachts Service) dabei deren Pavillion wieder herzurichten, das Ankerfeld von Blechdächern zu säubern und anderes mehr. Immer wieder hören wir, das

Portsmouth sehr sicher sei und das weitere Hilfe gerne gesehen wird und so entscheiden wir uns, dorthin zu segeln.

11.12.17

Pigeon Island, Jaques Cousteau National Park, Guadeloupe

 

Endlich hat der Wind nachgelassen und wir wechseln den Ankerplatz. Es sind nur 9 sm gen Süden. Dort befindet sich, nur eine Meile vom Ankerplatz entfernt, die Insel

Pigion Island, die im Jaques Cousteau National Park liegt und auf Guadeloupe als Tauch und Schnorchelparadies gilt. Als wir vor zwei Jahren hier waren, blieben wir nur über Nacht. Früh am nächsten Morgen waren wir geflüchtet, denn der Ankerplatz war mir zu rollig. Es war einfach nicht zum Aushalten (für Frau - Mann fand`s ok). Na gut, diesmal sieht es doch ganz anders aus. Zwar ein kleines bisschen rollig, aber kein Vergleich zum letzten Mal. Auch liegen hier nicht „nur“ 5 Boote, nein wir zählen 20 Yachten. Ganz gut was los. Einige Tage genießen wir die Unterwasserwelt und schließen Bekanntschaft mit einem

holländischem Pärchen Tooe und Rolf von der SY Matsya. Die kommen heute zum Sundowner zu uns an Bord. Es gibt die obligatorischen Erdnüsse, ein paar Chippes und Getränke. Früher kannten wir Bier, Wein und Rum -Cola. Aber dann. Ja dann lernten wir Anne und Frank kennen und später in der Karibik den Planteur, oder auch Rumpunsch genannt. Da wir abends ja nicht so oft an Land gehen und gegen Mittag, wenn wir an Land sind, nicht gerade schon Planteur trinken wollen, wobei die Bars meist noch um diese Zeit geschlossen sind, haben wir mal probiert, den selber zu mixen. Und siehe da, er schmeckt hervorragend. Mixe doch gleich ne

Literflasche mit Planteur an und stelle sie in den Kühlschrank. Die Zutaten variieren. Wir mixen

60 ml Rum, 10 ml Grenadiensirup, 10 ml frisch gepresse Zitrone, 40 ml Orangensaft und 80 ml Ananassaft. Je nach Geschmack kann man das natürlich variieren. Auch Zuckersirup kann verwendet werden. Einfach mal testen. Und wenn dann noch Eiswürfel an Bord sind (bringt die Matsya Crew mit :)), dann ist es nochmal so lecker.

Die Karibik von der anderen Seite: warmer Regen; Bordtag
Die Karibik von der anderen Seite: warmer Regen; Bordtag
Nach einem leckeren Lunch ist Wolfgang bereit fürs große WWW
Nach einem leckeren Lunch ist Wolfgang bereit fürs große WWW

05.12.17

Guadeloupe, Deshais

 

Gestern haben wir Diesel getankt und ausklariert. Heute Morgen klingelt der Wecker um

halb fünf. Wir wollen gleich bei Sonnenaufgang los, denn bis zur nächsten Insel sind es ca 50 sm. Laut Wetterbericht sollen wir 12-15 Knoten aus ENE bekommen. Passt doch.

Aber die Wirklichkeit sieht dann doch mal wieder ganz anders aus. Die ersten zwei Stunden haben uns mehrere Squalls fest im Griff mit 22- 27 Knoten. Zwei Reffs im Groß und Fock stark weggerefft quälen wir uns so längs. Dazu müssen

wir auch noch hoch am Wind segeln, denn der Wind kommt aus der falschen Richtung: SE. So ein Mist. Zum Glück dreht er später zu unseren Gunsten auf Ost

und flaut auch etwas ab. Nur noch 19-24 Knoten. Aber die Überfahrt ist durch die hohe Welle sehr ruppig. Mehrmals bekommen wir im Cockpit eine Salzwasserdusche ab. Kennen wir gar nicht!

Nachmittags liegen wir fast auf unserem alten Ankerplatz wie vor zwei Jahren. An den Ort Deshais können wir uns noch gut erinnern und finden auf Anhieb den kleinen Laden, in dem der Computer zum Einklarieren steht.

Vive la France. Preisschilder in Euro, Baguette, Camembert und andere Köstlichkeiten. Wenn doch nur die Sprache nicht wäre. Ich gebe mir redlich Mühe, meine kläglichen Französischkenntnisse hervorzukramen, aber es will mir partout nicht so recht gelingen. Immer wieder schleicht sich ein spanisches Wort dazwischen. Aber die Leute verstehen mich, viele können etwas Englisch und wozu hat man seine Hände.

28.11.17

Antigua, Great Bird Island

 

Da wir uns immer noch im Bereich von sehr milden Tradewinds befinden, entschließen wir

uns, auf die Nordost Seite von Antigua

zu segeln. Wir brauchen doch mittlerweile eine kleine Erholung von Jolly Harbour. Der Ankerplatz ist nach wie vor schön, aber uns nerven zwei

Nachbarschiffe. Bei einem läuft oft die Maschine, um die Batterien nachzuladen.

An sich kein Problem, wenn der Auspuff leise wäre. Ist er in diesem Falle aber nicht, außerdem treiben die Abgase immer schön in Richtung unseres Cockpits. Auf dem anderen Schiff werden auch die Batterien geladen Zwei Mal täglich– mittels eines Generators, der schön auf dem Vorschiff steht und laut vor sich hin tuckert. Manche Segler wissen einfach nicht, dass sie nicht alleine auf einem Ankerplatz liegen.

 

20 sm weiter werfen wir den Anker in fast glasklarem Wasser. Von der landschaftlichen Seite

aus gesehen, gefällt es uns auf der Nordost Seite nicht ganz so gut. Antigua ist hier flacher und bebauter. Auch tummeln sich hier recht viele Ausflugskatamarane und Fähren herum. Great Bird Island gehört zum Nationalpark Antiguas und bei unserem Landgang erwarten wir eigentlich, eine einsame Insel

mit vielen Vögeln vorzufinden. Aber nichts da. Am kleinen Strand sind Bänke und Tische aufgebaut und auf einem Grill wird gebrutzelt. Wahrscheinlich Lunch für die Passagiere der Ausflugsboote. Auf der gegenüberliegenden Seite der Insel ist sogar ein Souvenirstand mit T-Shirts und Stoffen und einer kleinen Bar aufgebaut. Jetzt wissen wir auch wohin gestern die Segler von den Nachbaryachten gefahren sind. Nix

schnorcheln, sondern Sundowner genießen. Nachdem wir noch den kleinen Berg hinaufgestiegen sind, um von dort den schönen Rundumblick zu genießen, flüchten wir von dieser „einsamen“ Insel.

Schiffsparkplatz direkt vor dem Haus
Schiffsparkplatz direkt vor dem Haus

27.11.17 Antigua

Jolly Harbour

 

Mittlerweile sind schon wieder 10 Tage rum, wo ist die Zeit nur geblieben? Langweilig ist es

uns hier in Jolly Harbour bisher nicht geworden. Mindestens zwei Mal täglich schwimmen wir unsere Runden ums Schiff, dazwischen Landgänge entweder Internet oder Einkaufen. Dann fahren wir Zwei mal mit dem Bus zur Hauptstadt St. Johns. Diese Fahrten mit den kleinen Minibussen sind schon ein Abenteuer für sich. Halten sich doch

anscheinend fast alle Busfahrer für zweite Schumis oder Vettels. Der Busbahnhof liegt in der Stadtmitte und kaum steigen Wolfgang und ich aus, werden wir von allen Seiten beschallt.

Aus jedem kleinen Laden dringt laute Musik, jeder möchte seinen Nachbarn mit der Lautstärke übertreffen und auf sich aufmerksam zu machen. Bei unserem letzten Stadtbesuch ist es sogar noch schlimmer, denn in der Stadt läuft gar nichts mehr. Autos stauen sich in alle Richtungen und überall Menschenmassen. Es ist

Black Friday wird uns erklärt, ein Tag, an dem die Händler besondere Rabatte gewähren.

Wir haben das Gefühl, alle Bewohner Antiguas plus die ca.8000 Passagiere von vier Kreuzfahrtschiffen sind in der Stadt. Was sind wir froh, als wir wieder zurück in unserem beschaulichen Jolly Harbour sind.

17.11.17 Antigua

 

Hampton – Antigua: Luftlinie 1500 sm. Nach unserer Rechnung bei einem Durchschnittsetmal

von 100 sm in 24 (bei Langstrecken nehmen wir das als Grundlage) 15 Tage

höchstens, wahrscheinlich eher um die 13 – theoretisch.

 

Warum kommt mir bei diesem Trip der Gedanke an das Buch „Die Entdeckung der Langsamkeit“

bzw. an den Spruch „Mühsam ernährt sicch das Eichhörnchen? Wobei ich sagen muss, dass ohl das Eichhörnchen erheblich flotter ist mit dem Sammeln von Nüssen, als wir mit dem der Seemeilen.

Vorweggenommen: es war einfach ein be—scheidener Trip.

 

Aber von Anfang an. Am Mittwoch dem 01.11.17 ging es los. Chris Parker versprach uns eher sehr wenig Wind und viel Motorerei. Nachdem wir den Anker endlich oben und sauber vom Modder hatten, wurde er eine halbe Stunde später wieder geschmissen. Der Maschine wollte nicht mehr. Oh, Mann, was war denn jetzt wieder

los. Wolfgang konnte sich dann aber schnell daran erinnern, dass er ein Ventil nicht richtig geöffnet hatte, der Motor war mangels Sprit ganz einfach verhungert. Ventil auf, Maschine an und Anker auf. Kurz nachdem wir dann endlich die Chesapeake Bay hinter uns ließen, fielen lauter Leute vom Himmel: Die Navy

hatte sich entschlossen, sozusagen direkt vor unserer Nase eine Fallschirmübung zu machen. Mindestens 20 Fallschirmspringer landeten vor uns im Wasser. Das war schon ein toller Anblick. Blöd nur, dass wir dadurch ein paar Meilen gen Norden abdrehten, wollten ja nun nicht gerade so einen Fallschirmspringer mit unserem

Schiff übermangeln.

 

Die ersten 200 sm liefen wir unter Segel und Maschine, wir hatten um die 10 Knoten Wind. Nachdem wir den Golfstrom überquert hatten, liefen wir nur unter Segel, langsam, aber wir wollten lieber Sprit sparen.

Die Welle war leider etwas ruppig, nicht hoch, aber kurz und teilweise auch aus verschiedenen Richtungen. Wir versuchten, während der ersten Meilen so viel Ost wie nur möglich zu machen. Dies ist die übliche Taktik, damit man später den Kurs Richtung Antigua gut halten kann, wenn die sogenannten Tradewinds aus E

einsetzen.

Das ist die Theorie, in der Praxis sah es diesmal etwas anders aus. Der Wind kam schon recht bald aus eher östlichen Richtungen, so dass Ost machen schwer war. Dazu kam noch wenig Wind, so dass wir teilweise nur mit 3,5 Knoten dahinschlichen. Erschwerender Weise hatten wir auf dem größte Teil der Strecke auch noch einen Gegenströmung von bis zu einem Knoten. Es war einfach nur frustrierend.

Als der Wind für zwei Tage einschlief schmissen wir den Motor an und versuchten, etwas mehr Ost zu machen. Es war mal eine Wohltat, nicht mehr hoch am Wind segeln zu  müssen, keine Schräglage mehr zu haben. Das Leben an Bord wurde gleich erheblich einfacher.

Dann setzte der Wind  (10 bis 15 Knoten im Durchschnitt) wieder ein, die Schräglage hatte uns wieder. Leider hatten wir jetzt auch noch mit diversen Squalls zu kämpfen. Diese kamen zwar ohne Regen, aber mit Windböen bis zu 27 Knoten. Andauernd mussten wir die Fock ein- und ausreffen.

 

Als der Wind dann sogar für einen Tag aus SE am, kreuzten wir langsam gen ENE, wieder etwas weg von unserem eigentlichen Ziel. Langsam ist ja schon blöd, aber langsam und in die falsche Richtung? Wer hat eigentlich gesagt, Segeln bringt Spaß? Als von Norden eine 50 ft. Benneteau mit fast acht >Knoten herangerauscht kann – Ziel Antigua – war’s dann richtig frustrierend. Wir wurden über Funk angerufen,

es wurde das wohin, woher etc. ausgetauscht. Als ich meinte, ob die mich nicht als Anhalter mitnehmen könnten, meinte er nur „threw a line“.

 

Schiffsbegegnungen hatten wir recht viele. Grossschiffahrt, aber auch während der ersten Tage einige Segler, meistens Katamarane, die mit Motorhilfe an uns vorbeiheizten.

Ansonsten passierte nicht viel. Auf einer Nachtwache allerdings wurden wir von irgendeinem Leuchtfisch verfolgt. Ich muss gestehen, es dauerte eine Weile, bis ich realisierte, dass der „Fisch“ unsere Leuchtboje der Rettungsweste war, die ins Wasser gefallen war und nun blinkend hinterhergezogen wurde.

Am 17.11. erreichten wir endlich Jolly Harbour auf Antigua. 17 Tage, 1720 Seemeilen. Kaum war der Anker unten, waren wir im Wasser und die ganze frustrierende Überfahrt war damit vergessen.

Oktober 2017

Wolfgang wollte doch nur eine Deckwaschpumpe für Süßwasser einbauen.......